"Wie's kommt, so kommt's"

Vor wenigen Tagen fiel die letzte Klappe für zwei große Fernsehproduktionen und heute steht sie schon wieder vor der Kamera, für eine neue Tatortfolge der ARD. Die sympathische Schauspielerin Johanna Bittenbinder hat trotz ihres vollen Terminkalenders Zeit gefunden, den Lesern der Altbayerischen Heimatpost ein wenig aus ihrem reichen Schauspielerleben zu erzählen. Die gebürtige Münchnerin - " eigentlich stamme ich ja aus Unterhaching, weil meine Eltern dort einen Bauernhof hatten", fügt sie mit einem lachenden Auge hinzu - sollte einen ehrbaren und anständigen Beruf erlernen, der den Mann bzw. die Frau ernährt. Also studierte sie Sozialpädagogik - mit Abschluss versteht sich - und Museumspädagogin. Ein Beruf der ihr viel Freude bereitete, zumal sie vor allem jungen Menschen die Schönheiten der Münchner Museen allen voran die des Stadtmuseums und der Lenbachgalerie näher bringen durfte.
"Tannöd - Ein urbairischer Krimi-Abend mit vogelwilder Musik", in dem das Ehepaar Johanna Bittenbinder und Heinz Josef Braun selbst Regie führt. (Foto: Hamburg 2006)
Beginn der schauspielerischen Karriere

Neben dieser Tätigkeit interessierte sie sich schon früh für das Theaterspielen und war mit 19 Jahren Mitglied in dem Avantgardetheater "Freies Theater München". Während einer Aufführung auf einer großen Holzbühne vor dem Münchner Rathaus kam es zu einem schicksalhaften Ereignis der besonderen Art. Frau Bittenbinder spielte in einem Stück, das die mittelalterliche Ablasssitte zum Inhalt hatte die Jungfrau Maria. Sie musste dabei auf Stelzen agieren, was alleine schon Grund zum Staunen war. Der Zufall wollte es, dass an diesem Abend auch eine Maiandacht vor der Mariensäule abgehalten wurde - man hatte es wohl verabsäumt, sich abzustimmen. Jedenfalls wurde das Theaterstück arg missverstanden und es kam zu verbalen Auseinandersetzungen. Für Bittenbinder aber war es der Beginn ihrer schauspielerischen Karriere. Sie fand so viel Gefallen an dem gesprochenen Wort vor Publikum, dass sie ihre noch junge Beamtenlaufbahn an den Nagel hing und sich fortan der Schauspielerei widmete. In dem Stück "Kleinbürgerhochzeit" in dem sie im Thea- ter rechts der Isar zusammen mit ihrem späteren Mann Heinz Josef Braun auf der Bühne stand, feierte sie erste große Erfolge vor stets ausverkauftem Hause und so ließ die erste Fernsehrolle nicht lange auf sich warten. Neben Monika Baumgartner spielte sie in der legendären "Rumpelhanni". Und dann folgten viele Fernseh- und Filmengagements, sodass Johanna Bittenbinder bald zu einem festen Bestandteil der bayerischen Film- und Fernsehszene wurde.

Sie spielte in vielen Krimis mit, u. a. im Tatort, bei den Rosenheim Cops, beim Bullen von Tölz oder in München 7 und vielen anderen. Ihr komisches Talent verhalf ihr, dass der bayerische Komödienstadel auf sie aufmerksam wurde und ihr verschiedene Rollen anbot. Nicht selten spielt sie dabei mit ihrem Ehemann, der selbst nicht nur ein ausgezeichneter Musiker ist, sondern auch ein begnadeter Schauspieler. Das Fernsehen wurde eine künstlerische Heimat für die Schauspielerin aus - und mit - Leidenschaft, und sie wirkte auch in großen Kinofilmen mit. "Wer früher stirbt ist länger tot" oder "Beste Gegend", "Die Distel", "Werner Beinhart" oder "Wildfeuer" sind nur ein paar der gängigsten Titel.

Rollenrepertoire weit gefächert

Da sich die Schauspielerin, die heute mit ihrer Familie in Grünwald lebt, in keine so genannte Schublade stecken lässt, ist ihr Rollenrepertoire weit gefächert. Einmal steht sie auf der Seite des Rechts, wie in einem ihrer neuesten Filme, dann spielt sie wieder auf der anderen Seite des Gesetzes, wie zum Beispiel in dem Tatort "Der Traum von der Au".

In Serien wie "Tierarzt Dr. Engel", "Dr. Schwarz und Dr. Martin", "Geschichten aus dem Nachbarhaus" oder "Café Meineid" war sie ebenso zu bewundern, wie in Fernsehfilmen, wie "Der Schandfleck", "Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben", "Orpheus und Eurydike", "Hinterlassenschaften" oder "Ein Dorf sucht seinen Mörder". In ihrem neuesten Film für das Fernsehen, der an einem Samstagabend im Oktober 2010 ausgestrahlt wird, spielt die vielseitige Mimin an der Seite ihres Mannes und des Schauspielerkollegen Hans Schuler eine Landpolizistin. Der Film mit dem vielsagenden Titel "Sau Nummer vier" spielt in Niederbayern und mit Niederbayern. Man kann heute schon auf diesen Niederbayernkrimi gespannt sein, weil er - neben einer guten Handlung - die Mentalität der Menschen in Niederbayern widergibt und auch herrliche Landschaftsaufnahmen eines weniger bekannten Bayern zeigt.

Darüber hinaus steht Johanna Bittenbinder zusammen mit ihrem Mann regelmäßig in dem Stück "Tannöd" auf verschiedenen Bühnen in und um München. Sie erzählen in einer szenischen Lesung von einem schrecklichen Mord auf einem Einödhof, dem sechs Menschen auf bestialische Weise zum Opfer fielen, und der bis heute nicht aufgeklärt ist. Ein urbayerischer Krimiabend mit vogelwilder Musik, in dem das Ehepaar selbst Regie führt. Die nächste Veranstaltung findet übrigens am 2. April im Forsthaus Wörnbrunn statt. (Karten unter 0 89/69 39 56 20, www.woernbrunn.de, oder www. heinz-josef-braun.de).

Ob sie lieber auf der Bühne steht, oder vor der Kamera, kann Johanna Bittenbinder nicht so einfach beantworten. "Beides macht mir Freude, beides verlangt von mir den vollen Einsatz", erzählt sie in ihrer liebenswerten bayerischen Mundart und fügt noch hinzu, dass es keine Lieblingsrolle gibt, sie liebt sie einfach alle, jede für sich und auf meine Frage ob sie eine bestimmte Rolle noch spielen möchte, meinte sie nur lakonisch und sichtlich zufrieden "Wie's kommt, so kommt's", Hauptsache das Drehbuch und die Regie stimmen, denn sie weiß, dass es auch für Frauen im besten Alter schöne und anspruchsvolle Rollen gibt.

Und mit dem Älterwerden hat sie ohnehin kein Problem, wie die wesentlich jünger aussehende Schauspielerin charmant versichert.

Für Hobbies bleibt wenig Zeit, sieht man einmal davon ab, dass ihre große Leidenschaft ohnehin die Schauspielerei und die Familie sind, für die sie gerne kocht und für die sie immer da ist.

Wir wünschen ihr noch viele schöne Rollen, alleine oder zusammen mit Heinz Josef Braun und vielleicht eines Tages mit ihrer Tochter, die zwar musisch veranlagt ist, aber zurzeit noch lieber Jazz studiert, bevor sie eines Tages vielleicht doch in die Fußstapfen ihrer Eltern tritt. (Text und Foto: Herbert H. Kölbl)
Artikel vom 12.03.10
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