Lange Tradition der Korbmacherei
Nicht nur zeigen, wie Körbe geflochten werden, sondern einen richtigen, zweitägigen Kurs zum Körbemachen wollte Museumsleiter Friedrich Koch im Haus im Moos anbieten. Schließlich hat die Korbmacherei im Donaumoos lange Tradition. Die richtige Kursleiterin fand er in Theresia Asam aus Tödten- ried bei Aichach, die ihr Handwerk in der Deutschen Korbfachschule in Lichtenfels, der einzigen Korbfachschule in Deutschland, gelernt hat. Sie gibt nun regelmäßig in der Umweltbildungsstätte Kurse, den nächsten im März.
Dann geht es manchmal richtig gefährlich zu im Seminarraum I im Haus im Moos, denn dort hantieren lauter angehende Korbflechter mit Gebilden aus Weidenruten, die an die drei Meter Durchmesser haben. "Mordanschlag" kommt es da schon mal lachend aus einer Ecke und Asam dreht sich dann wohl zu den Damen um, die sich eben ins Gehege gekommen sind: "Kemmt's ihr aus miteinand?". Natürlich kommen sie aus. Aber einfach ist es nicht, mit den riesigen Wagenrädern zu hantieren, aus denen einmal Körbe werden sollen - große, mittlere oder kleine. Asam hat entsprechende Muster in der Raummitte liegen. Drumherum sitzen ihre Schüler und flechten oder warten auf weitere Instruktion. "Sechs dicke, kurze für die Fußkimme" lautet Asams Anweisung, die auch an der Tafel festgehalten ist. Korbflechterlatein, ebenso wie "drei Flechtfäden in die richtige Flechtrichtung, los geht's im Gänsemarsch und der hintere überholt". "Das klingt ja wie ,eins rechts, eins links und die dritte fallen lassen'", beschwert sich da eine Teilnehmerin.
Vier verschiedene Flechttechniken braucht der Korbflechter für einen Korb. Asam nennt die Fitze, die das Geflecht stabilisieren soll und aus zwei Flechtfäden gearbeitet wird. Noch mehr Halt gibt die Kimme aus drei bis vier Flechtfäden. "Zäunern bringt Fläche", erklärt Theresia Asam weiter, "und der Rand wird mit dem Zuschlag gemacht".
Korbflechterei - eine Winterarbeit
Asams Kurs eignet sich für Anfänger und Fortgeschrittene. "Manche kommen immer wieder und frischen ihre Kenntnisse auf", sagt die Kursleitern, und Koch ergänzt, ganz so leicht sei es eben doch nicht, das Korbflechten. Während sich im Allgemeinen deutlich mehr Frauen als Männer für die Korbmacherei interessieren, beobachtet Asam im Donaumoos einen anderen Trend: "Hier sind deutlich mehr Männer als sonst in den Kursen dabei". Sie führt das auf die Tradition zurück. Zwar war das Herstellen einfacher Weidenkörbe früher überall auf dem Land eine Winterarbeit der Bauern. In einigen Gegenden, wie in Oberfranken oder im Donaumoos aber entwickelte sich die Korbflechterei zum Haupterwerbszweig und zu einem hoch spezialisierten Handwerk. Die Mösler gingen im Frühjahr und Sommer in Gruppen auf die Stör und boten in reicheren Gegenden ihre Dienstleistung des Korbmachens an, berichtet Koch. Unterwegs gab es nicht überall Weiden, daher, so vermutet Koch, stellten die Korbflechter aus dem Donaumoos auch Spankörbe her.
Ihre Blütezeit erlebte die Korbmacherei in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Menschen im Donaumoos von ihren zu kleinen landwirtschaftlichen Anwesen allein nicht leben konnten. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden es bereits weniger Kirmzäuner - so wurden die Korbmacher im Moos genannt. Da gründete Pfarrer Maurus Gerle die Korbindustrie-Genossenschaft-Karlshuld, um die Korbflechter besser zu organisieren und ihnen eine sesshafte Arbeit zu bieten.
Als die Korbfabrik 1897 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm die St. JosefKongregation Ursberg die Fabrik - Pfarrer Gerle blieb jedoch ihr Direktor. Die Fabrik lief rund 20 Jahre lang gut, die Qualität der Ware war bekannt. Doch mit dem Ersten Weltkrieg kam das Ende für die Korbfabrik. Im Jahr 1920 verließen die letzten Ursberger Schwestern Karlshuld und die Gebäude der Fabrik wurden von der Staatlichen Versuchanstalt für Moorkultur übernommen. Andrea Hammerl
Info: Der zweitägige Kurs im Haus im Moos findet am Samstag, 12. März, von 13 Uhr bis 18 Uhr und Sonntag, 13. März, 11 bis 18 Uhr, statt und vermittelt ein breites Grundwissen über Material und Technik der Weidenflechterei. Nach der Einführung stellen die Teilnehmer unter fachlicher Anleitung selbst einen Korb her.
Zielgruppe: Alle Interessierten, jedoch begrenzte Teilnehmerzahl, Leitung/Durchführung: Friedrich Koch, Theresia Asam, Ort: Haus im Moos, Teilnehmergebühr: 52 Euro zuzüglich 12 Euro für Material, Anmeldung: Bis Montag, 4. März, Tel.: 0 84 54/ 9 52 05. Mitzubringen sind Arbeitskleidung, Gartenschere und ein handliches Messer.
Uraltes Handwerk ist die Korbmacherei
Das Handwerk ist uralt, Körbe wurden im Nahen Osten schon vor 10 000 Jahren geflochten. Heute gibt es den Korbmacher nicht mehr, offiziell heißt der Ausbildungsberuf seit rund fünf Jahren "Flechtwerkgestalter". Als Handwerk bereits vom Aussterben bedroht, erlebt das Korbmachen jedoch als Hobby oder Kunsthandwerk eine Renaissance. Weide ist in Mode gekommen, und auch die Nachfrage nach Kursen für jedermann steigt.
Junge Volksmusikanten spielten auf
Elf junge Volksmusikanten-Gruppen traten zum Abschluss des Wettbewerbes der Altbayerischen Heimatpost „Volksmusik lebt!“ im ausverkauften Traunreuter k1 auf.
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