Das närrische Treiben der fränkischen Schembartläufer mit ihren Masken, Schellen und Lanzen wurde bereits 1397 urkundlich erwähnt. Wobei dies eindeutig Parallelen zur schwäbisch-alemannischen Fastnach aufweist. Noch heute erinnern Schembartläufer - eine in den 70er Jahren gegründete, über Frankens Grenzen hinaus bekannte Renaissance-Tranzgruppe, mit originalgetreuen Kostümen und Instrumenten - an einstige Fastnachtsumtriebe in der Frankenmetropole. Ihren großen Auftritt haben die Schembartläufer alljährlich beim Nürnberger Faschingsumzug, der sich am Faschingssinntag, mit über 4000 Aktiven, durch die Noris wälzt.
Historische Faschingsumzüge
Wer allerdings historsichem Faschingstreiben den Vorzug gibt, muss sich in ländliche Regionen begeben. Ziemlich turbulent wird es, wenn sich in Allersberg am Faschingssonntag um 14 Uhr der größte Umzug dieser Art in Nordbayern in Bewegung setzt: Die "Flecklashexn" geben den Ton an. Mit Peitschen und Schellen machen sie lärmend die Straßen unsicher und führen den aus über 100 Wagen, Gruppen und Musikkapellen bestehenden Zug an. Es prasseln zentnerweise Bonbons, Brezen und Konfetti auf die in dichten Reihen stehenden Zuschauer nieder.
Am "Unsinnigen Donnerstag" beherrschen in Spalt die Artgenossen der "Flecklashexn", die furchterregenden "Flecklasmänner" die Straßen. Ihre Gewänder aus Sackleinen sind dichtbesetzt mit schwarzen und roten Flecken. Eine dunkel gefärbte Holzmaske, an der ein kapuzenförmiger Überwurf befestigt ist, hüllt den Kopf der "Flecklasmänner" ein. Außerdem ziehen Maskerer, in der Aufmachung alter Weiber, von Wirtshaus zu Wirtshaus; necken die Gäste und lassen sich Getränke spendieren. Ihre Späße treiben sie aber auch am Faschingsdienstag während des großen Umzugs und anschließend in den Gaststätten des Orts.
"Fasenickl" heißen die buntscheckigen Gestalten, die an den letzten Faschingstagen in Kipfenberg im Altmühltal ihr Unwesen treiben. Ihr Rupfenkostüm ist mit rund 6000 roten rautenförmigen Flicken besetzt. Mit einer Lindenholzmaske und dem Schellenbaum auf dem Kopf sind sie ebenfalls Verwandte der Felcklasfiguren, und sollen bereits zu Pestzeiten böse Geister vertrieben haben. Auffälligstes Merkmal aber ist ihre Goaßl, mit deren lauten Schnalz'n sie auf sich aufmerksam machen.
Fasching und Brauchtum auch im Museum
Wenn sich die "Fasenickl" am "Unsinnigen Donnerstag" auf dem Kipfenberger Marktplatz zu einem Preisschnalzen einfinden, können sie davon ausgehen, von einer großen Zuschauermenge umgeben zu sein. Gleiches gilt beim Umzug am Faschingsdienstag, wo es die "Fasenickl" ebenfalls kräftig krachen und scheppern lassen.
Die bizarre Erscheinungsform des uralten Faschingsbrauchtums wird seit vielen Jahren im Museum dokumentiert, das im historischen Torwärterhaus Kipfenberg untergebracht ist.
Genauso originell, jedoch auf den "Unsinnigen Donnerstag" beschränkt, zeigt sich das lustige Treiben im Altmühlstädtchen Dietfurt. Dort regiert seit 50 Jahren ein Chinesen-Kaiser - in diesem Jahr seine Majestät "Ko-HouangDi". Den Ursprung für den Chinesenfasching liefert eine angeblich wahre Begebenheit aus dem 19. Jahrhundert: Die Dietfurter verschanzten sich stets hinter ihrer Mauer, wenn der Kämmerer des Bischofs von Eichstätt im Anmarsch war. Dieser berichtete darauf seinem Bischof, das ihm die Dietfurter hinter ihren Stadtmauern wie Chinesen vorkommen. Aus dieser Anekdote bekam das Faschingstreiben in Dietfurt erstmals 1928 eine "chinesische Färbung", indem eine Musikkapelle in Chinesengewändern auftrat.
In der Folgezeit setzte sich der China-Look mehr und mehr durch - heute sind die Dietfurter am "Unsinnigen Donnerstag" Söhne und Töchter des Reiches der Mitte. Es schlägt dumpf ein Gong; die Menge johlt "Kiliwau, Kiliwau"; der Kaiser grüßt huldvoll von seiner hohen, von Kulis gezogenen Rikscha auf alle Untergebenen herab.
Handelt es sich in Dietfurt eher um ein modernes Spektakel, so lassen anderorts die Fastnachtsbräuche den Bezug zu germanischen und anderen vorchristlichen Kulten noch erahnen. Furchterregende Dämonenmasken, Perchten und ähnliche Gestalten sollen, verbunden mit Lärm und Schellengeläut, den Winter sowie das Böse austreiben.
So treiben in Forchheim am Faschingsdienstag "Fosaleken", weiß gekleidete Gesellen, die mit bunten Bändern geschmückt sind, den Winter in Gestalt von Strohbären vor sich her. Am Nachmittag werden sie im benachbar- ten Baiersdorf symbolisch verbrannt. Das gleiche Schicksal ereilt die Strohbären, welche in Weisendorf durch die Straßen gehetzt werden.
Wer sich zur Faschingszeit lieber ausgelassenen Frohsinn per TV ins traute Heim holen möchte, sollte die Live-Sendung des Bayerischen Rundfunks "Fastnacht in Franken" keinesfalls versäumen. Das Studio Franken des BR überträgt aus Veitshöchheim die Prunksitzung des Fastnachtsverbandes Franken. Dieses dreistündige Programm der Extraklasse, haben sich seit Jahren die Verantwortlichen rheinischer Karnevalshochburgen als Pflichtsendung verordnet. Die Eintrittskarten für die Mainfrankensäle in Veitshöchheim sind inzwischen so begehrt, wie die Tickets für die Bayreuther Festspiele. Text/Fotos: Hans-Joachim Wiesner
Närrisches Treiben in Nordbayern
Wer noch immer glaubt, die Wiege des deutschen Faschings stand am Rhein, liegt ziemlich daneben. Bereits Wolfram von Eschenbach, der fränkische Minnesänger, schildert im "Parzifal", ein um 1206 entstandenes Epos, eine "Weiberfasnacht", die von den "Kaufmannsfrauen von Dollenstein" alljährlich gefeiert wurde. Mitte des 14. Jahrhunderts - damals kannte man die organisierte rheinische Fröhlichkeit noch nicht - bekam die Metzgerzunft der Freien Reichsstadt Nürnberg von Kaiser Karl IV. das Recht zur Aufführung von Fastnachtstänzen zugesprochen. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der bekannte Nürnberger "Schembartlauf".
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