Territorialpolitik unter Montgelas
Machterweiterung, nachhaltige Vergrößerung und innere Reform Bayerns - diese langfristigen und politischen Ziele hatte Montgelas bereits vor seiner Amtszeit als Minister formuliert. In einer ersten Phase (1801-1803), die durch den Frieden von Lunéville 1801 von dem Verlust der linksrheinischen Gebiete und der dafür als Entschädigung vorgesehenen Säkularisations- und Mediatisierungsgüter geprägt ist, wurden dem Kurfürstentum durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 fünf Hochstifte, 13 Reichsabteien sowie 15 Reichsstädte in Schwaben und Franken einverleibt. Territorial wuchsen Bayern so die Hochstifte Augsburg, Freising, Würzburg, Bamberg und Teile von Eichstätt und Passau zu. Die Säkularisierung der landständischen und reichsunmittelbaren Klöster brachte Bayern einen beachtlichen Gewinn an Einkünften. Bereits 1801 schloss Bayern mit Frankreich einen Friedensvertrag. Die nächsten großen Gebietsveränderungen brachte die Zeit des Bündnisses mit Frankreich (1805-1813), die Bayern die Abrundung seines Gebietes in Schwaben ermöglichte. Österreich musste nach der Dreikaiserschlacht von Austerlitz im Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 neben erheblichen Gebietsverlusten auch den Königstitel für den bayerischen Kurfürsten akzeptieren. Würzburg ging vorübergehend an den Großherzog von Toskana, dafür kamen Vorarlberg und Tirol mit den ehemaligen Fürstentümern Brixen und Trient an Bayern ebenso wie die Reste der ehemaligen Hochstifte Eichstätt und Passau. 1806 wurde Bayern in den Rang eines Königreiches mit voller Souveränität erhoben. Bayern und andere deutsche Mittelstaaten schlossen sich mit Napoleon im Rheinbund zusammen und sagten sich damit vom Reich los. Der Habsburger Kaiser Franz II. legte daraufhin am 6. August 1806 die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war endgültig erloschen. Mit der Rheinbundakte waren auch die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg zu Bayern gekommen. Montgelas brachte die aus unterschiedlichsten Territorien bestehenden Neuerwerbungen auf einen staatlichen Nenner und formte sie zum "neuen" Bayern um. Mit den Verfassungen von 1808 und 1818 beschritt das Königreich Bayern den Weg vom Fürstenstaat zum Verfassungsstaat.
1810: Der Vertrag von Paris
Das Jahr 1810 war mit der Abrundung und Konzentration des Staatsgebietes eine wichtige Voraussetzung für eine moderne Verwaltungsorganisation. 1809 hatte Österreich erneut den Krieg mit Frankreich aufgenommen. Napoleon war es gelungen, die Österreicher auf bayerischem Gebiet in fünf Schlachten zu schlagen. Die endgültige Niederlage Österreichs in der Schlacht bei Wagram hatte am 14. Oktober 1805 zum Frieden von Schönbrunn geführt. Die Einzelheiten dieses Friedens regelte 1810 der Vertrag von Paris. Zwar musste Bayern Südttirol und schwäbische Gebiete abgeben, doch konnte das Königreich nun nach zähen Verhandlungen und gegen hohe Zahlungen an Frankreich das 1807 von Preußen an Frankreich abgetretene Fürstentum Bayern und vor allem das begehrte Regensburg als Teil des Dalberg-Staates erwerben. Ebenfalls wurden Salzburg und Berchtesgaden, 1805 von Napoleon im Ausgleich an Österreich gegeben, nun Bayern zugesprochen, zusammen mit dem Innviertel und einem Teil des Hausruckviertels.
1816: Die Festlegung der Grenzen
Die vorläufig letzten großen Veränderungen im bayerischen Staatsgebiet wurden im Zuge des neuerlichen Bündniswechsels nach 1813 vollzogen. Nach dem Untergang von Napoleons "Großer Armee" 1812 im Russlandfeldzug stand Bayern in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 durch den Bündniswechsel mit dem Vertrag von Ried vom 8. Oktober 1813 bei der vernichtenden Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig auf der Seite der Sieger. In mehreren zähen Schritten wurden die im bayerisch-österreichischen Vertrag von Ried festgelegten Bestimmungen nach dem Wiener Kongress 1814/15 bis zum Vertrag von München im Jahr 1816 zu einem Abschluss gebracht. Das Innviertel und der erhaltene Teil des Hausruckviertels fielen an Österreich zurück. Gegen die Abtretung Tirols, Vorarlbergs sowie Salzburgs erhielt Bayern Würzburg, Aschaffenburg und die linksrheinische "Rheinpfalz", die staatsrechtlich bis 1945 bei Bayern verblieb. Bayern war damit im Wesentlichen auf seine heutigen Grenzen festgelegt, etwa um ein Drittel größer geworden und mit fast 3,7 Mio. Einwohneren im 1815 von 41 deutschen Fürsten und freien Städten gebildeten Deutschen Bund der drittgrößte Staat. 1920 wurde das Coburger Land dem Freistaat angegliedert. Der nach dem Zweiten Weltkrieg französisch besetzte Landkreis Lindau fiel 1955 an Bayern zurück. (Text: CE; Quelle: hdbg)
Blick vom Lockstein auf Berchtesgaden mit Watzmann. Mit dem Übergang an Bayern begann 1810 für Berchtesgaden eine Blütezeit. (Foto: Berchtesgadener Land)
Mit einem Federstrich an Bayern
Die Französische Revolution 1789 brachte mit der Beseitigung von Monarchie und Feudalismus nicht nur eine Umstrukturierung Frankreichs, sondern mit den Revolutionskriegen ab 1792 auch die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und eine Neuordnung Europas. Bayern sollte in den Jahren zwischen 1799 und 1818 eine so tiefgreifende Wandlung erfahren, dass Historiker vom "neuen" Bayern sprechen. Trotz der hohen Kriegskontributionen ging das 1806 zum Königreich aufgestiegene Bayern aus der napoleonischen Ära letztendlich gestärkt und mit einem modernisierten Staatswesen ausgestattet hervor.
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