Mini-Mähdrescher kommt zum Einsatz

Sein Beruf wurde zu seinem Hobby: Landmaschinenmechaniker Heinz Edler aus Grasheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhau- sen beschäftigt sich mit Vorliebe mit Bull- dogs oder Mähdrescher. Dabei interessieren ihn jedoch weniger die großen Originale. Er baut die Gefährte maßstabsgetreu im Ver- hältnis 1:2 nach. Eineinhalb Jahre tüftelt und baut er nun schon am neusten Zuwachs für seine kleine Mini-Bulldog-Flotte. "Der Mähdrescher war eine neue Herausforderung", sagt der Bastler.
Er muss nur noch silbergrau lackiert werden, dann ist er fertig für seinen ersten Einsatz beim Museumsfest: Der Mini-Claas SF 60 mit seinem Erbauer Heinz Edler.
"Der Mini-mini"

Der gelernte Landmaschinenmechaniker baut derzeit einen Claas SF 60, maßstabsgetreu im Verhältnis 1:2. Somit passt er exakt zu der Miniflotte aus Lanz, Ruhrstahl, Fiat und dem Geräteträger Fendt, die alle im selben Maßstab gebaut sind. Noch kleiner, nämlich im Maßstab 1:3, ist der zweite Lanz erstellt, "mein Mini-mini", wie ihn Edler scherzhaft nennt. Alle Minis sind komplett Marke Eigenbau, Teil für Teil stellt der 69-Jährige selber her oder arbeitet es aus Schrottteilen um. So zum Beispiel das Mähwerk des Claas, das zwar von einem Mähdrescher stammt, aber an die veränderte Größe angepasst werden musste. So kürzte Edler die Zähne, verringerte den Abstand und brachte das Ganze auf eine Schnittbreite von 1,25 Metern.

"Er ist voll funktionsfähig, hat Beleuchtung, Hydraulik, alles was er braucht", verspricht Edler, der sein neues Gefährt allerdings noch nicht ausprobiert hat. Wann er das tun wird? "Das werde ich nicht verraten", sagt er lachend. Auf 40 PS bringt es der Claas, denn soviel Pferdestärken hat der Automotor mitgebracht, den Edler eingebaut hat. Das Getriebe, soviel verrät der Tüftler, stammt aus einem Japaner, ebenfalls einem aktuellen Modell. Die Räder hat er ebenfalls fertig, wenn auch gebraucht, gekauft. Alles andere an dem 1,87 Meter hohen Mini-Mähdrescher ist selbst angefertigt oder aus vorhandenen Teilen zusammengebaut.

Fünf Vorwärts-, ein Rückwärtsgang bringen ihn voran und die Haspel ist, wie im Origi- nal und zur damaligen Zeit üblich, aus Holzteilen gefertigt. "Wahrscheinlich sparte man sich damit die Lager", vermutet Edler, denn diese Bauweise sei lange beibehalten wor- den. SF steht übrigens für Selbstfahrer, der SF 60 war einer der ersten Mähdrescher, die selbst motorisiert waren. Mit dem Bau der ersten Selbstfahrer hatte die Firma Claas 1953 begonnen. Geeignet ist der Mini-Mähdrescher für alle Getreidearten außer Mais und Raps, denn "dafür braucht man ein anderes Mähwerk", erklärt der Bastler, der die Werkstatt seines Neffen Arnold Edler für seine Arbeiten nutzt. Manchmal hilft auch der Werkstattbesitzer ein wenig mit. Die Leidenschaft liegt offenbar in der Familie, denn auch Enkel Sebastian (23) ist damit infiziert. Er baut gerade an seinem ersten Mini-Bulldog, einem weiteren Lanz.

Einsatz beim Museumsfest

Den ersten Einsatz für den Mähdrescher soll es beim Museumsfest im Haus im Moos in Karlshuld, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, geben, das am Sonntag, 12. September, als Hauptattraktion ein Oldtimertreffen mit angeschlossener Mini-Landwirtschaftsszene bietet. Der Claas soll ein Weizenfeld abernten, fahren wird ihn Philipp Klink, denn "der Claas ist von der Größe her für Jugendliche bis 14 Jahre konzipiert", findet Edler. Drei Zentner fasst der Korntank, dann muss er auf Geräteträger oder Kipper entleert werden. Somit sollte der Claas etwa 250 Quadratmeter Ackerfläche am Stück abernten können. Abtransportiert wird das Getreide mit dem Pferdefuhrwerk, wofür Museumsleiter Fritz Koch bereits ein Ponygespann aufgetan hat. Die Mini-Landschaft wird komplettiert durch eine Mini-Dreschmaschine und Mini-Dampfmaschine von Johann Rummel aus Loch.

Zum Schleppertreffen, das von den Oldtimerfreunden aus Königsmoos und Karlshuld mitorganisiert wird, sind auch Standmoto- ren willkommen, die einen eigenen Bereich im Freilichtmuseum beanspruchen dürfen. Der Kulturhistorische Verein Donaumoos zeigt, wie ein Bett in Handarbeit entsteht, vom Rupfen der Gans bis hin zum Probelie- gen auf Unterbett, Kissen und Oberbett. "Zum Probeliegen kann man sich anmelden, am besten zu zweit", scherzt Koch. Zudem bie- tet der Verein Kartoffeln frisch aus dem Dämpfer mit frischer, selbst hergestellter Butter an.

Das Museumsfest beginnt am Sonntag, 12. September, um 11 Uhr mit Musik der "Garer Blechblosn", und Mittagessen im Biergarten des Rosinger Hofes. Gegen 13.30 Uhr sammeln sich die Mitwirkenden zum Festzug durch das Freilichtmuseum, anschließend beginnen die Vorführungen. (Text/Fotos: Andrea Hammerl)
Artikel vom 02.09.10
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