"Während der Glasmacher am ,Höllenschlund' steht und mit seiner Glasmacherpfeife den Rohstoff dort herausholt, bin ich gelernter Glasinstrumentenmacher, zutreffend und kürzer auch Glasbläser genannt", bezeichnet Endres seine Tätigkeit. Barometer, Thermometer und viele andere Messinstrumente lernte er in der Lehrzeit zu fertigen, "die Glaskunst war eigentlich nur ein mich begeisterndes Nebenprodukt dieses erlernten Berufs, der noch gar nicht so alt ist".
Eine ungewöhnliche und mutig durchgezogene Begebenheit rankte sich im Jahr 1980 für den Lehrling schon um den Beginn der Ausbildung im Bayerischen Wald, denn "genetisch vorbelastet im Hinblick des Umgangs mit Glas bin ich seitens meiner Vorfahren nicht, und meine Eltern hatten mit "gläsernen Berufen" wenig im Sinn".
Start in der Waschküche
Vor mehr als 30 Jahren bestand in Pfronten noch eine alteingesessene Glaserei, die aber keine Lehrlinge einstellte. Man verwies den 15-jährigen Alexander, dessen Berufswunsch in erster Linie Graveur war, an die Vollzeitfachschule in Zwiesel im Bayerischen Wald, wo er Bekanntschaft mit der ihn beeindruckenden Glaskunst machte und sofort einen Lehrvorvertrag unterschrieb. "Mein Vater fiel fast vom Stuhl, als ich daheim anrief, ihm meinen Entschluss und die Vormerkung zur Lehre als Glasbläser mitteilte und ich ihn um schriftliche Absegnung meines Wunsches bat. Für mich öffnete sich damit ein Beruf, in dem man sich austoben kann". Nach der Lehre arbeitete Alexander Endres in Bad Tölz für zwei Jahre bei einem "tollen Chef" eines Glasschmuckgeschäftes, wo er eine Glasbläserwerkstatt einrichtete. Bundeswehr und Ablegung der "Meisterprüfung als Laborglasbläser auf chemischtechnischer Basis" waren die nächsten Stationen des Lebenslaufes vor der Heimkehr nach Pfronten. "Leider gibt es keine Prüfung auf dem künstlerischen Sektor, zudem besteht im Allgäu kein Laborbedarf", wie Alexander in Erfahrung brachte. Also richtete der junge Glaskünstler zunächst seine Werkstatt in der häuslichen Waschküche ein, bevor es ihn wieder "ans Tageslicht" zog, wo er auf dem Grundstück seine "Feuerhöhle" als einer der ersten "untypischen Glasbläser im Allgäu" errichtete und nun schon seit mehr als 20 Jahren sehr gefragte Glaskunst "mit der ihr inne wohnenden eigenen Seele" formt.
Besonderer Glaszauber
"Ich denke schon, dass Glas wirklich eine Seele besitzt und dass von dieser Kunst ein besonderer Zauber ausgeht", ist sich Endres sicher. Feuer, Licht und Glas können viel ausdrücken und haben eine faszinierende, beeindruckende Ausstrahlung. Das spürt der Glasbläser bei Kursen schon mit Kindern, denn sie lernen schnell, aus Glastropfen bunte Perlen zu wickeln, während Erwachsene durch viele besondere Wünsche an den Meister neue Impulse für den Umgang mit Glas wecken. "Ich werde glücklich bei der Arbeit", lautet Alexanders ureigene Lebensphilosophie. "Geld allein ist für mich kein Anreiz. Wenn man mit einem Lächeln zur Arbeit geht und zufrieden nach Hause kommt, dann ist das doch ein großer Bereich des Lebens, den man gern macht".
Gern erklärt Endres nebenher rasch zusammengefasst den "gläsernen Hintergrund". Glas kannten schon die alten Ägypter vor unserer Zeitrechnung. Die Römer erlernten die Kunst, benutzten bereits für dünnwandige, völlig glatte Glasgefäße die Glasmacherpfeife und "vererbten" feingliedrige gläserne Schmuckstücke an die Germanen, die das Glas anfangs "Bernstein" nannten, da es wegen seiner Durchsichtigkeit dem versteinerten Baumharz glich. "Die Glasherstellung verbreitete und verfeinerte sich zusehends, auch wenn im frühen Christentum anfangs vom "Teufelswerk" gesprochen wurde", wie man Aufzeichnungen entnimmt. Mönche richteten dennoch in der Folgezeit in den Klöstern Glashütten ein, um genügend Fläschchen mit Kräuterelixieren und Schnäpsen füllen zu können.
Wo es in den deutschen Mittelgebirgen oder Ostbayern genügend Wald gab, siedelten sich die Glashütten an. Brennholz gab es genug, andere Hölzer konnte man "in Pötten" zu Asche verbrennen, wonach der Rohstoff "Pottasche" seinen Namen erhielt.
Wissenschaft, Technik, Industrialisierung sowie Medizin benötigten zunehmend spezielle Gläser für optische Produkte, feuerfeste Gefäße, Laborausstattungen und Messgeräte, womit sich der Kreis der ebenfalls vom Glasbläsers Endres ursprünglich hergestellten Glasinstrumente schließt.
Vom Rohr zur Glaskunst
Wohlig warm empfindet jeder die Werkstatt des Glasbläsers vor allem in der kalten Jahreszeit, während er ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen darf und dabei erlebt, wie sich das Rohmaterial, aus Böhmen bezogene, feuerfeste Borosilikatglasröhren, durch Hitze in gläserne Kunst verwandelt. "In der Handarbeit mit der für den Laien geheimnisvollen Materie Glas" entsteht eine Verbindung zwischen Poesie, Leidenschaft und der Natur künstlerischer Ideen, "die sich bei jedem Stück aus dem Herzen entwickelt". Mit dem Glas "zu zaubern", bereitet Alexander Endres umso mehr Freude, wenn er merkt, wie "viele Menschen in unserer Zeit wieder die Wertigkeit der Dinge zu schätzen gelernt haben, insbesondere dann, wenn sie deren Fertigung in der Werkstatt erleben.
Zu Beginn setzt Endres sich seine, das grelle, gelbe Licht ausfilternde Spezialbrille auf, regelt am Gasbrenner die Temperatur der zischenden Flamme, "zieht ein Stück von der Röhre ab" und kann nun je nach Vorhaben unter Hitzeeinwirkung das weich werdende Glas wie Kaugummi auseinander ziehen, drehen, drücken, begradigen und formen. Obwohl "Glas Zeit braucht, um zu laufen und sich zu bewegen", geht für den Zuschauer die Arbeit überraschend schnell wie in einer "Hexenküche" vonstatten. Quetschen, Auftreiber mit Graphitspitzen, spezielle Zangen und die Schublehre gehören zum ständig notwendigen Handwerkszeug. Vieles ist Feinarbeit am Rohling, wobei dann auch die Farben, die immer Metalle beinhalten, ins Spiel kommen. Blau enthält Kobaltoxyd, gelb entsteht durch Silbergehalt, rot durch Gold in der Farbe, grün und braun auf Grund von Kupferpartikeln. "Dennoch kann man nie genau vorhersagen, wie die Farbe später herauskommt", betont der Glasbläsermeister, um Enttäuschungen beim Kunden vorzubeugen.
Rätselhaftes Glas
Was auch immer Endres aus dem Rohstoff fertigt, "Glas gibt ständig wieder Rätsel auf", bringt die Erfahrung mit sich. "Schwierig ist es allemal, das Material perfekt zu beherrschen, vor allem bei diffizilen Kundenwünschen". Bestellte doch jemand einmal als Baumschmuck gläserne Schwäne mit echten Federchen, eingelassen im Glas. Der Auftrag bereitete dem Glaskünstler durch die sich ergebenden Schwierigkeiten nicht nur Kopfzerbrechen, sondern kam den Kunden teuerer als gedacht zu stehen. Egal, ob Alexander Endres Blüten und Tiere aller Art, Fabelwesen, Sparschweinchen, Schälchen, Rosenkugeln, Vasen, Glasserien oder Orchideenstecker, Schmuck und vieles mehr individuell aus Glas macht, stets verbindet er mit dem Produkt auch "ein Stück von sich" selbst, "sonst ist es tot", wie er es formuliert.
Weder dem sagenhaften "Feuerteufel" noch dem "Glasmännlein", die vermeintlich "des Glasbläsers Seele holen wollen", ist der Künstler schon begegnet. Endres glaubt natürlich nicht an Spuk, denn er hat genügend Erfahrungen zur Bewältigung der Eigenheiten und von den Tücken des Glases gesammelt.
Als gläubiger Christ fertigt der Glashandwerker aus dem Werkstoff für manche Kunden auch religiöse Motive, wie zum Beispiel einmal ein modern anmutendes, in dezenten Farben gehaltenes gläsernes Kreuz für den Herrgottswinkel des Wohnraums im Neubau einer Familie. Von derartigen besonderen Aufträgen, bei denen sicher auch der Gedanke an die Heiligen Markus und Laurentius als Schutzpatrone der Glassmacher und Glasbläser eine Rolle spielen mag, und von all denen, die im Geschäft die Herstellung anschaulich erfahren, "lebt die Werkstatt", wie man erfährt.
Etwas betrübt den Glasbläser Alexander Enders allerdings. "Mein Handwerk hat kaum eine Zukunft", bedauert er und kann sogar seinen 15-jährigen Sohn verstehen, der nicht sein Nachfolger werden möchte, weil er den Vater zumeist auch an Wochenenden "nur in der Werkstatt" erlebt hat.
Glasbläserei Endres in Pfronten, Tel.: 08363/5768, glasblaeserei.endres@t-online.de.
Gläserne Kostbarkeiten aus dem Feuer
Arbeiteten die Kelten 700 v. Chr. noch mit einer Erdesse, um die für die Glasherstellung notwendige Hitze zu schaffen, sitzt der Glasbläser heutzutage in seiner Werkstatt vor dem mit Druckluft und Sauerstoff betriebenen Gasbrenner, der problemlos erforderliche 2500 Grad hohe Temperaturen zur Glasschmelze liefert. Einer aus dieser Zunft, der das vor allem im Allgäu selten anzutreffende Handwerk beherrscht, ist Alexander Endres in Pfronten. Er liefert die besten Beweise dafür, welche faszinierenden Kostbarkeiten aus einem Gemenge von Quarz, Soda und Kalk, Pottasche und Bleimennige im Feuer entstehen können.
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Elf junge Volksmusikanten-Gruppen traten zum Abschluss des Wettbewerbes der Altbayerischen Heimatpost „Volksmusik lebt!“ im ausverkauften Traunreuter k1 auf.
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