Eisstöcke wie in vergangenen Zeiten

Winterzeit ist Eisstockzeit. Vermutlich kam das Eisstockschießen bereits im 13. Jahrhundert aus Skandinavien. Erste Bilder dieser winterlichen Freizeitbeschäftigung kennt man allerdings vor allem aus dem Alpenraum des 16. Jahrhundert. Damals waren die Eisstöcke aus Holz. Heute ist aber bei Turnieren die Verwendung von Plastik-Eisstöcken vorgeschrieben, damit alle Teilnehmer dieselben Bedingungen haben. In der Freizeit sieht es anders aus. Hier schwören immer mehr Schützen wieder auf Eisstöcke aus Holz. Da verschiedenes Holz verwendet wird, reagiert jeder Eisstock unterschiedlich. Das macht das Spiel wohl interessanter.
An seiner Werkbank arbeitet Ernst Streifinger am Unterteil des Eisstocks.
Warmer Winter bedingt geringe Nachfrage

Ernst Streifingers Vater hat seine Werkstatt bei Tittling 1933 eingerichtet. Seit 1982 nutzt der Sohn die Werkstatt und fertigt im Winter Eisstöcke aus Holz oder repariert alte Eisstöcke. "Heuer ist die Nachfrage nicht groß", berichtet er. "Durch die warmen Temperaturen sind die meistens Teiche und Seen gar nicht zugefroren und dann fehlt es an Möglichkeiten. Früher gab es das Eisstockschießen sogar am Tittlinger Marktplatz sehr zum Missfallen der vorbeikommenden Fuhrwerke. Die mussten nämlich immer warten bis die Bahn frei war", erzählt Streifinger weiter.

Obstbaumholz und Ahorn eignet sich am besten für Eisstöcke. Allerdings sollte das Holz mindestens fünf Jahre lagern bevor es bearbeitet wird. Erst dann ist es trocken genug. An der Drechselbank wird erst das Unterteil, der sogenannte Reitstock, abgedreht. Der Griff, der als Stutzel bezeichnet wird, wird genau entsprechend der Hand des Käufers angepasst. Da Hände ja unterschiedlich sind, sollte die Form schon passen, damit der Schütze gut mit dem Eisstock schießen kann. Am Schluss wird der eiserne Ring aufgezogen, der dem ganzen seine Stabilität gibt. Heute werden die Ringe elektrogeschweißt, davor war dies wie vieles andere Handarbeit. Vor dem Aufziehen kommt der Ring in den Ofen, damit er sich erhitzt und damit ausdehnt. Der Ring muss auf dem Eisstock exakt sitzen. "Zu heiß darf der Ring aber auch nicht sein, sonst brennt er sich ins Holz und die ganze Arbeit war umsonst", erklärt Ernst Streifinger. Früher konnte man den Ring nach der Größe des Eisstockes passend schmieden. Heute muss man sich beim Eisstockfertigen wegen der fertiggeschweißten Ringe schon nach dem Ringdurchmesser richten, denn zu großen Spielraum hat man durch das Erhitzen nicht.

Ein Eisstock kann lange halten, wenn er richtig gelagert wird. Trockene Heizungsräume eignen sich dafür nicht, da sich das Holz zusammenzieht und der Ring nicht mehr richtig sitzt. Eine alte Gewohnheit ist es, den Eisstock dann zu Wässern. "Das bringt gar nichts", weiß der Erich zu berichten. Das Holz dehnt sich zwar aus, aber trocknet auch wieder und dann hat man das gleiche Resultat.

Rudi Demont

Kontakt: Ernst Streifinger, Kothingrub 2, 94104 Tittling Tel: 0 85 04/34 90.
Artikel vom 02.02.12
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