Ein Hauch der großen Welt

Gewürze sind im allgemeinen Teile von Pflanzen, die wegen ihres natürlichen Gehaltes an Geschmacks- und Geruchsstoffen als würzende oder geschmacksgebende Zutaten bei der Zubereitung von Speisen eingesetzt werden. Darüber hinaus werden sie als Konservierungsstoffe und als Grundlage für Arzneimittel benötigt und verwendet. Gewürze spielten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine bedeutende wirtschaftliche wie politische Rolle. Der Gewürzhandel, speziell aus Asien, war daher ein einträgliches Geschäft. Zuerst waren es die arabischen und die italienischen Stadtstaaten die davon ungemein profitierten, dann auch die Kolonialmächte wie England, Spanien, Holland und Portugal.
Gewürze riechen und schmecken nicht nur gut, auch ihre Farben sind markant. (Fotos: Curryblätter Angelika Schwarz/Lokschuppen)
Beginn der großen Zeit der Gewürze

Spätestens seit dem der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den Seeweg um Afrika herum zu den Inseln Hinterindiens fand, begann in ganz Europa ein blühender Handel mit Gewürzen aus fernen Ländern, beispielsweise aus China, Indien, Sumatra, Java, Sansibar oder den Molukken. Exotische Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Zimt, Curry, Muskat, Nelken, Chili, Vanille usw. wurden eine respektable Bereicherung für das Abendland. Bereicherung in erster Linie wohl für die Importeure, für die Zwischenhändler, für die mit dem Transport und der Lagerung befassten Menschen bis hin zum damals so bekannten und geschätzten Kolonialwarenhändler. Bereicherung aber auch für die feine wie alltägliche Küche. Sicher gab es bei uns schon unter anderem das lebensnotwendige Gewürz Salz, die vielen Geschmacksverbesserer - und -verfeinerer zauberten plötzlich neue, unbekannte Genüsse hervor, die nicht nur der ausgemachte Feinschmecker zu schätzen wusste. Jeder wollte nun ein Stück von dem Reichtum haben, den der Gewürzhandel ins Land brachte. Die Vormacht- und Monopolstellung der Kolonialmächte wurde oftmals mit Waffengewalt erzwungen. Kanonen und Befestigungsanlagen entlang der Gewürzstraßen geben heute noch ein beredtes Zeugnis jener von Machtkämpfen geprägten Zeit.

Der Kampf um die Vorherrschaft des Gewürzhandels spielt sich inzwischen nicht mehr auf der Straße ab, sondern eher an den Börsen, wo um jeden Cent gefeilscht wird.

Die Vielfalt der Gewürze

Davon kriegt der Endverbraucher jedoch wenig mit. Er kann sich vielmehr über die Vielfalt der angebotenen Blätter (Küchenkräuter, Lorbeerblätter), Blüten oder Blütenteile (Safran, Gewürznelken, Kapern), Rinden (Zimt) Pflanzenwurzeln (Knoblauch, Ingwer, usw.), Früchte oder Samen der Pflanzen (Muskatnuss, Pfeffer, Paprika, Wacholderbeeren, Vanille, Kümmel, Anis) freuen. Und wie selbstverständlich verwendet er auch besondere Gewürzzubereitungen, als ob es sich um ein einzelnes Gewürz handelt, wie Senf, Currypulver, Chutney, Sojasoße oder Wasabi, einem hellgrünen japanischen Gewürzgemisch.

Gewürze geben den Speisen nicht nur einen angenehmen Geruch, sondern auch einen besonderen Geschmack. Dabei kann man eine Speise geschmacklich gänzlich verändern oder verstärken, hervorheben oder ergänzen.

Gewürze

als Arzneimittel

Die in den Gewürzen enthaltenen ätherischen Öle können durchaus eine physiologische Wirkung entfalten, so dass verschiedenen Gewürzen auch medizinische Zwecke zugeschrieben werden.

Chili, Salz und Rosmarin zum Beispiel sorgen für eine Konservierung der damit gewürzten Lebensmittel, Bitterliköre und Rosmarin regen den Appetit an, Pfeffer, Salz und Essig die Verdauung. Anis, Kümmel, Fenchel lindern Darmkrämpfe und verhindern Blähungen.

Zwiebel und Knoblauch regen die Bildung von Gallenflüssigkeit an und fördern die Fettverdauung, Salbei und Muskatnuss sorgen für Beruhigung und Entspannung während durch Nelken, Chilis, Ingwer und Kakaobohnen das Herz-Kreislauf-System aktiviert wird und eine aphrodisierende Wirkung festgestellt werden kann.

Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim

Wer mehr über Gewürze erfahren möchte, woher sie kommen, wie sie verwendet werden, wie sie ausschauen und wie sie riechen, sollte die Ausstellung "Gewürze - Sinnlicher Genuss, Lebendige Geschichte" im Rosenheimer Ausstellungszentrum Lokschuppen besuchen. Eine Ausstellung, die zur Landesgartenschau 2010 passt, eine Ausstellung, bei der der Besucher selbst zum Entdecker werden kann, wo er die Geschichte fühlen kann, wo er die Gewürze riechen, sehen, schmecken, anfassen, probieren, als lebende Pflanze bestaunen und sogar hören kann. Er sieht sich in die Zeit der Gewürzhändler, der Eroberer und Naturforscher versetzt, kann Pestmasken bestaunen, die das einst mit Gold aufgewogenen Muskat enthielten, lernt die "Pfeffersäcke" kennen, wie die durch den Pfefferhandel reichgewordenen Nürnberger Gewürzhändler genannt wurden, aber auch portugiesische Entdecker, englische Piraten oder holländische Seefahrer.

Während seines Aufenthaltes in den Ausstellungsräumen können sich die Besucher an dem "grünen Gold" erfreuen, wie die spanischen Eroberer die Gewürze nannten oder den "Duft des Paradieses" einatmen, eine liebevolle Bezeichnung aus dem Arabischen. Zudem gibt es exklusive Genussführungen, die nicht nur Gewürzliebhaber buchen können.

Alfons Schuhbeck kredenzt kulinarische Köstlichkeiten zu ausgewählten Gewürzen. Der Gewürzexperte unter den Sterneköchen ist auch für den riesigen Gewürzbasar verantwortlich, für die eigens für die Ausstellung entwickelten Kochrezepte und für das gastronomische Angebot. Zudem kann man ihm beim "Schaukochen" über die Schulter sehen oder an einem Kochkurs teilnehmen.

Die "würzigste Ausstellung" der Welt mit seinem museumspädagogischen Programm ist besonders auch für Kindergärten und Schulklassen geeignet, eine Ausstellung die schon heute das Prädikat "absolut sehenswert" verdient. Und wenn Sie heuer jemand dorthin schicken möchten, wo der Pfeffer wächst, so ist dies sicher nicht abwertend und böse gemeint, sondern vielmehr die höfliche Aufforderung, die wissenschaftliche Ausstellung rund um die Gewürze zu besuchen.

(Text: Herbert H. Kölbl)

Die Veranstaltung ist von 25. März bis 10. Oktober 2010 täglich geöffnet. Nähere Infos finden Sie www.lokschuppen.de oder Tel.: 0 80 31/3 65 90 36.
Artikel vom 18.03.10
Weiterempfehlen Drucken