Die Quitte - Eine fast vergessene Obstart

Im vergangenen Jahrhundert war die Quitte fast vergessen und fristete in den Gärten meistens nur noch eine Randexistenz. In den letzten Jahren hat sich das geändert. Viel dazu beigetragen hat Monika Schirmer aus Regensburg, eine heute weit bekannte und anerkannte Quittenexpertin. 1970 begann sie, sich mit der Quitte zu beschäftigen und stellte fest, dass zu dieser Zeit gar nicht mehr viel über die Quitte bekannt war. Das erweckte ihre Neugierde und sie begann zu forschen. Mittlerweile ist ihr Wissen sehr gefragt und sie hält viele Vorträge zum Thema Quitte. Kürzlich sprach sie in der Aromawerkstatt in Lalling im Bayerischen Wald.
Monika Schirmer (rechts) teilt ihr Wissen über die Quitte den Zuhörern mit, die gespannt lauschen und sich auch vom kräftigen Aroma der Frucht überzeugen. (Foto: LWG)
Die Quitte gehört zu den Kernobstgewächsen in der Familie der Rosengewächse und ist mit Apfel und Birne verwandt, bildet aber eine eigenständige Art. Der griechische Dichter Alkman (650 Jahre v. Chr.) bezeichnet die Frucht als kodymalon. Da die Griechen diesen Namen fälschlicherweise auf die kretische Stadt Kydonia, jetzt Chania bezogen, blieb der Quitte bis heute die botanische Bezeichnung "Cydonia" erhalten und eben im Sprachgebrauch Quitte. Die Quitte ist außerdem Namensgeber für die Marmelade (von = portugiesisch marmelo für Quitte, aus dem griechischen melimelon "Honigapfel"). Ihre ursprüngliche Heimat liegt im südlichen Kaukasus. Cato (234-149) lieferte das erste landwirtschaftliche Werk. Die Quitte ist bei den Römern sicher schon länger als 2000 Jahre bekannt. Sie haben sie vermutlich durch die Griechen (s. Alkman, Stesichorus, Ibykos...) kennengelernt. Erste schriftliche Belege in Mitteleuropa sind im "Lorscher Arzneibuch (Codex bambergensis medicinalis 1)" zu finden, später auch im Capitulare de Villis von Karl dem Großen. Daraus läßt sich auf einen Anbau ab dem neunten Jahrhundert schließen.

Nach diesen einleitenden Hintergrundinformation geht es in die Tiefe. Obwohl man bei uns nur von Apfel- oder Birnenquitte spricht, gibt es weitere Fruchtformen, z. B. typisch "quittenförmige".

Das Aroma der Quitte setzt sich aus 150 flüchtigen Aromastoffen zusammen, der Apfel kann nicht annähernd soviel vorweisen. Auch nicht jede Quittensorte riecht gleich. Jeder der Zuhörer des Vortrags konnte sich bei den verschiedenen Sorten am Vortragstisch bildlich und geruchsmäßig seinen eigenen Eindruck verschaffen. Was man aus der Quitte alles machen kann, zeigt die Rezeptfülle im Buch von Monika Schirmer. Historische Rezepte hat sie weiterentwickelt und ganz viele neu erfunden. Am Ende ihres Vortrages haben die Zuhörer die Kostproben gewaltig dezimiert und so war das Interesse an dieser alten Kulturfrucht wirklich nicht zu übersehen.

Aber auch zum Thema Heilkunde weiß Quittenexpertin Monika Schirmer einiges zu berichten: In der Volksheilkunde des Balkans, Klein- und Westasiens verwendet man die Quitte bis heute. Die Werte einige Inhaltsstoffe der Frucht übersteigen die von Apfel und Birne bei weitem. Beispielsweise ist der Gehalt an Pektin rekordverdächtig. Man spricht von einer Wirkung auf Herz, Verdauungsorgane und auf alle Schleimhäute.

Übrigens 80 bis 100 Jahre ist durchaus ein Alter für einen Quittenbaum. Es gibt nur wenige Schädlinge, die der Quitte zusetzen können. Bekannt ist vor allem der Feuerbrand, der den Quittenbäumen enorm Schaden kann.

In Volkach an der unterfränkischen Mainschleife, gibt es im Ortsteil Ostheim den weltweit einzigen Quittenlehrpfad. Mit 100 jährigen Baumgreisen stehen dort die deutschlandweit ältesten, obstbaulich kultivierten Quittengehölze, die in ihrer Parzellenstruktur fast unverändert auf ein historisches Lehen des Astheimer Kartäuser Klosters im 18. Jahrhundert zurückgehen. (Text: Rudi Demont)

Monika Schirmers Buch "Die Quitte, eine fast vergessene Obstart" wird im Frühjahr 2010 in der fünften, überarbeiteten Auflage erscheinen (ISBN 3-930-167-54-9).
Artikel vom 04.11.09
Weiterempfehlen Drucken