Das gedrungene Gotteshaus mit dem später angebauten kurzen Langhaus hat ein gotisches Sternengewölbe mit Endsteinen. Es wurde vor ca. 500 Jahren erbaut und hat drei Glocken. Auf der Rückseite der Kirche befinden sich vier Votivtafeln, von denen die älteste bereits aus dem Jahre 1635 stammt. Das Bild an der Emporenbrüstung stellt die Familie Homair und ihre 14 Kinder in Tracht dar, von denen drei Buben und fünf Mädchen im Kindesalter starben. Der darunter stehende Text schließt mit der Bitte: "Gott wolle ihnen eine herrliche Auferstehung verleihen". Auf der Nordseite des Langhauses ist auf einer Holztafel ein Bombensplitter verewigt, der am 27. Februar 1945 außerhalb des Dorfes abgeworfen wurde.
Aufwändige Restaurierung
Im Jahre 2002 wurde mit der Konservierung und Restaurierung des Kreuzes begonnen. Die Arbeit sollte einem der wenigen und bedeutenden romanischen Kruzifixe Bayerns gelten, die um 1200 entstanden. Das Kreuz befand sich in einem verunreinigten Zustand, war ausgemergelt und die Fassung instabil. Eine im 20. Jahrhundert vorgenommene Restaurierung hatte durch grobe Vorgehensweise viel zerstört. Deshalb galt es, die Schäden an der materiellen, künstlerischen und ästhetischen Substanz zu beheben. Bei einem anderen, bisher um 1200 datierten romanischen Kreuz aus der Pfarrei "Heilig Kreuz" in Schaftlach im Landkreis Miesbach ergab eine naturwissenschaftliche Untersuchung eine spektakuläre Datierung in die Ottonische Zeit um 1020. Daraufhin wurde das Kunstreferat des Erzbischöflichen Ordinariats München auch für das Kreuz in Enghausen hellhörig.
Das naturwissenschaftliche Untersuchungsprogramm wurde gestartet, das eine intensiven medizinischen Untersuchung nicht unähnlich ist: von der Computertomographie über mehrfache Bestimmungen des Holzalters verschiedener Institute in der Radiokarbontechnik C 14 sowie Röntgen bis zu Pigment- und Bindemittelanalysen aller Art.
Das älteste lebensgroße Kreuz
Das Fazit der eingehenden Untersuchungen verdichtete sich schließlich zur Sensation. Die Restaurierung und die naturwissenschaftliche Untersuchung belegen mit einem hohen Grad von Sicherheit: Das ausdrucksstarke Kreuz aus Enghausen entstand bereits um das Jahr 890/900 und ist damit das älteste monumentale lebensgroße Kruzifix überhaupt.
Das Kunstreferat der Erzdiözese München und Freising geht davon aus, dass das Kruzifix aus dem ehemaligen Benediktinerkloster im nahen Moosburg stammt, das als kaiserlich-karolingische Abtei im 9. Jahrhundert in großer Blüte stand. Vielleicht entstand das Enghausener Kreuz im Zusammenhang mit der Kaiserkrönung Arnulfs im Jahre 895, der kurz zuvor Moosburg reich ausstattete und seinem Bischöflichen Berater und Fürsprecher, Bischof Waldo, als Eigenkloster schenkte.
Die abseits gelegene Kirche in Enghausen gehörte über Jahrhunderte zur Dreirosenstadt. Dort wurde das bislang für drei Jahrhunderte jünger angesehene Meisterwerk bewahrt, das künstlerisch bereits eine hohe Formvollendung zeigt, als in Moosburg die Neuausstattung unter Hans Leinberger ältere Kunstwerke in die Filialen abdrängte.
Der Korpus des vier-Nägel-Kreuzes hat eine Länge von 1,82 Metern. Die Füße des Gekreuzigten ruhen auf dem Kopf eines Dämons, dessen blaue Augen hervorquellen und der seine Zunge herausstreckt. Während sonst das Lendentuch seitlich gebunden ist, ist dieses in der Mitte mit einem kunstvollen Knoten versehen. Am Ende des oberen Längsbalkens befindet sich eine neu angefertigte Tafel mit der Inschrift: "Jesus Nacarenus Rex Judaeorum" (Jesus von Nazareth, König der Juden).
An dem eindrucksvollen Kreuz zeigt vor allem der Kopf Christi "große hoheitsvolle Würde." Die Augen sind geöffnet, und der Blick ist durchdringend. Die Haartracht (Rasterlocken) des Gekreuzigten ist typisch für die karolingische Zeit. Sie ließ sich aber bislang nur in der Buchmalerei und in der Elfenbein-Kleinplastik finden. Eine Dornenkrone oder eine Königskrone konnten nicht nachgewiesen werden.
Kruzifix wieder angebracht
Christus ist nicht als König wie in der Romanik oder als Leidensmann in späteren Epochen dargestellt, sondern als der göttliche Mensch, der als Erlöser und Überwinder von Leid und Tod den Betrachter anblickt. Im Chorraum der Filialkirche "Auffindung des Kreuzes" ist nun das Kruzifix wieder als eindringliches und erschütterndes Bild von Christus und seiner Erlösungstat zu sehen. Vom 3. Mai bis 14. September wird bei allen Gottesdiensten der Wettersegen mit dem Kreuzpartikel erteilt.
Das Kreuz wurde am 5. Mai 2006 von München nach Enghausen transportiert und dort in der Kirche wieder angebracht. Seit seiner Wiederanbringung an der Nordseite des Chorraumes wurde im Auftrag des Kunstreferates der Erzdiözese München und Freising ein Messgerät in der Kirche aufgestellt, dessen zwei Fühler die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit anzeigen. Bei konstanten Werten von 80 bis 90 Prozent befindet sich der Innenraum im "grünen" Bereich.
Pfarrer Eduard Stupak, der vier Pfarreien und acht Filialen seelsorglich betreut sowie die Pfarrangehörigen freuen sich über die Wiedergewinnung der Skulptur als verehrungswürdiges Andachtsbild. Seit Bekanntwerden dieses wertvollen Kunstwerkes aus der spätkarolingischen Zeit rückte der kleine Ort Enghausen in das Blickfeld der breiten Öffentlichkeit. Beim feierlichen Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. am 10. September 2006 in München war die Skulptur im Zentrum auf der Altarinsel angebracht.
Kurze Zeit später erreichte der Brief einer Frau aus Amerika den Bürgermeister von Mauern. Es handelte sich um eine gebürtige Moosburgerin, die vor mehreren Jahren in die Staaten ausgewandert war. Sie schreibt: "Es kamen mir die Tränen, als ich von diesem wertvollen Kunstwerk meiner Heimat in den Medien erfuhr." (Text und Repro: Rudolf Katzl)
Das älteste lebensgroße Kruzifix
Am Rande der Hallertau, des größten geschlossenen Hopfenanbaugebietes der Welt, liegt das Dorf Enghausen mit 54 Einwohnern. Es gehört zur Pfarrei Priel in der Gemeinde Mauern im Landkreis Freising. In der Filialkirche "Auffindung des Kreuzes" wird das spätkarolingische Kruzifix verehrt, das bereits um das Jahr 890/900 entstand. Bei der Figur aus Lindenholz handelt es sich um das älteste lebensgroße Kruzifix der Welt.
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