Bayerische Jugend entdeckt Volksmusik neu

Volksmusik ist altmodisch und langweilig? - Von wegen! In Bayern erlebt die Volksmusik seit geraumer Zeit vor allem unter Jugendlichen einen erfreulichen Aufschwung. Immer mehr junge Leute entdecken die bayerische Volksmusik für sich und schließen sich zu Gruppen zusammen, um gemeinsam zu singen und zu musizieren. "Hoagartn" ist nicht mehr nur etwas für ältere Bayern. In immer mehr Wirtshäusern trifft man heute auf junge Leute, die gemeinsam bayerische "Musi" machen. Über diese Entwicklung freut sich besonders der selbst erst 30-jährige Leiter der Abteilung für Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Elmar Walter. Der junge Nachfolger von Dr. Erich Sepp organisiert eigens für Kinder und Jugendliche ausgerichtete Volksmusiktreffen und unterstützt damit die positive Entwicklung und Verjüngung bayerischer Volksmusik.
Elmar Walter, Leiter der Abteilung für Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege und begeisterter Musiker, begrüßt das rege Interesse der Jugendlichen an der bayerischen Volksmusik. (Foto: Herbert Reichgruber)
Identitätssuche als Hauptgrund

Die Jugendtreffen, die der Bayerische Landesverein für Heimatpflege zwei Mal im Jahr organisiert, sind jedesmal restlos ausgebucht. "Beim letzten Jugendtreffen mussten wir bei 80 Teilnehmern einen Schnitt machen, weil wir mehr nicht untergebracht hätten", erzählt Elmar Walter. "Es sind aber wesentlich mehr Anmeldungen eingegangen. Es ist also ein Bedürfnis bei den jungen Leuten da, bei so etwas teilzunehmen." Außerdem nimmt seine Abteilung für Volksmusik auch immer mehr Anfragen von jungen Leuten entgegen, die sich auf Noten, Lieder oder eine Beratung beziehen.

Den Hauptgrund für das steigende Interesse der Jugendlichen an Volksmusik glaubt Elmar Walter zu kennen: "Ich denke, dass die Jugend nach einer Identität sucht und sich mit den Fragen ,Wer bin ich?' und ,Wo komme ich her?' beschäftigt. Und Antworten darauf finden sich eben ganz toll im bayerischen Brauchtum wieder, sei es im Trachtenverein oder eben auch in der Volksmusik." Außerdem sei ein wachsendes Nationalbewusstsein in Deutschland insgesamt ein Grund dafür, dass sich auch junge Leute wieder mehr mit der eigenen Kultur und dem eigenen Brauchtum befassen.

Diese Entwicklung der Jugend und die damit verbundene Identitätsfindung ist laut Elmar Walter auch wichtig für die Gemeinschaft und die Integration anderer Mitbürger, die nicht aus Bayern oder Deutschland kommen: "Wenn man merkt, dass man selbst an seiner Kultur und am Brauchtum hängt", meint Walter, "dann akzeptiert man auch leichter, wenn andere ihre Kultur leben wollen, weil sie das in ihrer Heimat nicht mehr machen können oder diese aus wirtschaftlichen, politischen oder anderen Gründen verlassen mussten."

Modeinstrument diatonische Ziach

Mit dem Interesse an der bayerischen Volksmusik steigt bei den Jugendlichen gleichzeitig die Begeisterung für Instrumente, die man für diese Musikart benötigt. Nach Elmar Walters Erfahrung als Musiklehrer an der ehemaligen Musikschule Traunwalchen tendieren Buben meistens zum Saxophon oder zur Trompete und Mädchen zur Flöte. Vor allem aber die diatonische Ziach macht dem sonst bei Kindern und Jugendlichen recht beliebten Schlagzeug oder der Gitarre Konkurrenz: "Im Bereich der Volksmusik ist momentan die diatonische Ziach der Renner, ein richtiges Modeinstrument", so Walter. "Andere Instrumente wie Zither oder Hackbrett treten dagegen eher in den Hintergrund."

Wie das meiste im Leben, entwickelt sich aber auch die Volksmusik weiter und so hat man sich das Musizieren der jungen Leute nicht immer genau so vorzustellen, wie es in früheren Zeiten war. "Man kann durchaus sagen, dass die Volksmusik der Jugendlichen ,moderner' ist, wobei sie immer auf traditionelle Formen aufbaut", erklärt Walter. "Aber sie ist auch frischer, es sind zum Teil andere Akkorde mit dabei, die man bisher in der Volksmusik nicht als gängig betrachtet hat. Man kann sagen, es ist alles etwas schneller. Das ist zwar manchmal ein bißchen schade, aber man muss das auch verstehen: die jungen Leute wollen einfach, dass ich was rührt, und das soll man ihnen auch lassen."

Jugendtreffen in Agatharied und Altötting

Damit diese erfreuliche Entwicklung nicht stagniert, organisiert Elmar Walter zusammen mit seinen Helfern regelmäßig Veranstaltungen und Seminare, die das jugendliche Interesse an der Volksmusik fördern. Zweimal im Jahr, in den Faschings- und Herbstferien, findet auf Initiative des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege ein Jugendtreffen statt - einmal in Agatharied im Landkreis Miesbach (19.-21. Februar 2010) und einmal in Altötting (29.-31. Oktober 2010).

Die Teilnehmer dieser Treffen sind zwischen zwölf und 25 Jahre alt und verbringen das Wochenende damit, gemeinsam zu singen, zu tanzen und zu musizieren. Das Singen und Tanzen findet dabei stets in der ganzen Gruppe statt. "Die Lieder sind auf die Teilnehmer ausgerichtet", versichert Elmar Walter. "Man singt da natürlich nicht von der Liab und vom Fensterln. Die Lieder sind kind- und jugendgerecht ausgesucht." Zum Musizieren werden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt, die jeweils von einem Referenten betreut werden. Die einzelnen Gruppen üben dann Volksmusik-Stücke ein, die beim gemeinsamen Festabend am Samstag vorgetragen werden.

Aber nicht nur die Jugendtreffen, auch andere Veranstaltungen des Landesvereins wie die Volksmusikwoche in Pfünz oder die Familienwoche in der Landvolkshochschule Wies bei Steingaden werden immer mehr auf junge Volksmusik-Anhänger zugeschnitten. "Das ist schon eine erfreuliche Entwicklung", resümiert Elmar Walter zufrieden und freut sich schon auf das anstehende Jugendtreffen in Agatharied, bei dem er auch selbst anwesend sein wird. Wer schnell ist, ergattert vielleicht noch einen freien Platz, Anmeldeschluss ist der 1. Februar 2010.

(Text: Simone Kainhuber)

Das ausführliche Gespräch mit Elmar Walter können Sie unter www.chiemgau-online.de nachlesen. Weitere Infos: Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, Abteilung Volksmusik, Ludwigstr. 23 Rgb., 80539 München, Tel.: 0 89/28 66 29 16, volksmusik@heimat-bayern.de, www.heimat-bayern.de.
Artikel vom 28.01.10
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