13-jähriger Schüler aus Bayern spricht vor UN

Mit 13 interessiert man sich für Computerspiele und vielleicht schon für Mädchen. Oder für das Weltklima. Felix Finkbeiner aus Bayern hat für die Umwelt eine weltweite Baum-Initiative gestartet. Deshalb wird der 13-Jährige jetzt vor den Vereinten Nationen sprechen.
Der 13-Jährige Felix Finkbeiner aus Bayern hat für die Umwelt eine weltweite Initiative gestartet. Deshalb wird der Schüler jetzt vor den Vereinten Nationen in New York sprechen. Foto: Angelika Warmuth
Pflanzen für den Planeten

Felix Finkbeiner ist auf der politischen Weltbühne zu Hause. Seit er eine globale Initiative angestoßen hat, empfangen ihn Regierungschefs und Staatsoberhäupter, er hält Vorträge von New York bis Seoul. Was ihn von seinen Mitstreitern wie Al Gore unterscheidet: Felix ist erst 13. Trotzdem hat er mit "Plant-for-thePlanet" (Pflanzen für den Planeten) schon eine fast 100 Länder umfassende Initiative losgetreten. Am 2. Februar sprach er als eines von weltweit nur fünf Kindern vor den Vereinten Nationen und eröffnete das Internationale Jahr der Wälder mit.

Die Rechnung von Felix ist einfach: Die Menschen verbrauchen zu viel, stoßen deshalb Unmengen an Kohlendioxid aus und gefährden so das Klima. Also müssen sie sparen und gegensteuern - mit Bäumen. "Wir wollen, dass die Kinder in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen. Wenn wir das schaffen, ist das Weltklima nicht gerettet, aber ein Riesenstück vorangekommen", sagt der 13-Jährige mit noch kindlicher, aber professioneller Stimme. "91 Länder sind schon dabei und einige haben das Ziel sogar schon geschafft. Auch Deutschland!"

Als alles anfing, war Felix gerade neun. Während andere am Computer spielen, bereitet der Viertklässler ein Referat zum Klimawandel vor. "Da erfuhr ich von Wangari Maathai und ihrer tollen Idee, in Afrika 30 Millionen Bäume zu pflanzen." Der Plan der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin fiel bei dem Schüler aus dem oberbayerischen Pähl auf fruchtbaren Boden, sie wurde nur etwas modifiziert: Nicht Afrika, sondern alle Länder der Erde; nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder.

Felix hielt sein Referat und begeisterte seine Mitschüler. "Dann sollte ich meinen Vortrag in anderen Klassen halten und schließlich kam die Direktorin und schickte mich sogar auf andere Schulen", erzählt Felix. Der Rest war ein Schneeballeffekt: "Wir haben dann Akademien gegründet. Die Kinder da erklären anderen Kindern, was wir machen müssen und die gehen dann an ihre Schulen und erzählen das da weiter." Mit Hilfe des Internets gibt es Felix' Initiative jetzt in 91 der 192 UN-Staaten. "Mit E-Mail und Skype habe ich Kontakt zu ganz vielen Kindern auf der Welt. Das ist toll."

500 Milliarden Bäume bis 2050

Felix, der schon mit Al Gore und Kofi Annan plauderte, wird in New York den Mächtigen der Welt seine Rechnung vorlegen: "Wenn das Weltklima zwei Grad wärmer wird, schmilzt das Eis und der Meeresspiegel steigt um sieben Meter. Damit das nicht passiert, dürfen wir pro Person nur 1,5 Tonnen CO2 ausstoßen." Das Problem: Bei jedem Deutschen sind es 10, bei jedem Amerikaner sogar 20 Tonnen im Jahr - bei Afrikanern aber nur 0,5. "Also könnten die Afrikaner uns ihr Ausstoßrecht verkaufen und so die Region entwickeln." Der Plan funktioniere aber nur, wenn 500 Milliarden Bäume bis 2050 gepflanzt würden. "Aber das sind gar nicht mal so viele", beschwichtigt Felix. "Das sind nicht einmal zwei Bäume pro Mensch im Jahr."

Die meisten werden wohl nie einen Spaten in die Hand nehmen. Aber dank Felix kann man auch mit einer Spende Bäume pflanzen. Dass er nicht alle erreicht, ist ihm klar. "Klar, einige Kinder finden das doof und wollen lieber vor dem Fernseher sitzen. Als ob dafür nicht auch noch Zeit bliebe", sagt er kopfschüttelnd. Über die Grenzen seiner Aktion ist er sich bewusst: "Natürlich können wir die Probleme der Welt nicht lösen. Aber jeder Baum hilft und er ist ein Symbol, dass wir etwas tun wollen." Chris Melzer

Info unter: www.plant-for-the-planet.org/de.
Artikel vom 09.02.12
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