Altbayerische Heimatpost
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Mir schaun de Leit aufs Mei

Vorbilder

Oans muass an diesa Stelle g’sagt wern: Niemand wui de Erfahrunga vo andane Leit in Abrede stelln. Doch heit muass i üba meine Erinnerunga in da Schui des Klosters Gnadenthal in Ingolstadt redn. Es is scho lang her, anfang da Siebzger Johr hot mi mei Oma in d’Schui vo de Franziskanerinen gschickt. I bin dort gern in d’Schui ganga und i ko mi aa net an oa böse Angelegenheit erinnern.
„Uns liegt aa an der Bildung des Herzens, net nur am reinen Lernen“, hot füar de Klosterschui goitn. Füar so an frühpubertärn Foi mit schwierigen familiären Familienverhältnissen, wie mi, war des genau des richtige. De Schwester Oberin wusste genau üba jedes ihra Madln Bescheid und natürlich aa, dass mei Mama scho gstorbn war und i von da Oma erzogen wurde. Diese Verantwortung hom de zwoa sich praktisch teilt. So hob i’s imma empfundn, und beide, Schwester Oberin und Großmutta, haben imma in meinem Sinn g’handelt. Trotzdem is es oamoi zu am oanzign Verweis in meiner Schuig’schichte kumma: Ois „Hot Pants“ in großer Mode waren und meine Oma füar zwoa Tog in München im Krankenhaus lag, hob i natürlich de Situation ausg’nutzt und mi mit meiner wirklich kurzn, grünen und ordinären Hot Pants in d’Schui g’schlicha. Oben an da großen Treppn empfing mich d’Schwester Oberin. Dieses „Hoserl“ war gegen d’Schuiordnung, sovui war klar. Ganz ruhig sagte sie zu mir: „Madl, denk an deine Mutter im Himme, de schaut runta und denkt se ihrn Teil. Wo is den d’Oma? Wos is los, dass d’ so rumlaffst! Wenn’s da Oma wieda bessa geht, sois mi moi b’sucha!“ Dös war ois. Nia wos böses, obwoih de Madln in da Pubertät ganz schee grausam sei kenna. Wir hom a kloane Biologielehrerin ghabt, de hot ausg’schaut wia ihr Leguan, den sa se dahoam ghoitn hot, zudem war sie unbeholfen und scheu und lebte mehr in der Welt ihra Tiere. Mei, warn de Madl bös mit dera. De hot se dann Jahre späta glaub i umbrocht.
Man muass se moi de Verantwortung vorsteihn, füar so an Stoi voller Madln. Und wia warn de Burschn ewig vorm Klostertürl gstandn! Mittogs war do a ganza Pulk an Tschamsdara, Freind und Verehra auf da Straß rumg’lungart, auf de scheena Gnadenthal-Madl wartend. Dafüar hot’s imma wieda moi an Hinweis gehm: „Bitte woandas verabreden“. Füar oans hot ma oba übahaupt koa Verständnis g’habt: as Raucha. De Madln, de versuacht hom, den Mist in d’Schui zum trogn, warn sofort weg. Jiatzt im Nachhinein woaß i aa warum. Weils wia a Seuche is, de olle o’steckt. Dös hom de Klosterschwestern g’wusst. Trotzdem, a eigne Meinung war ihnen wichtig, kritische Bürger sollten wir werden und net Untertanen.
In unsra Klosterschui hot ma meistens mit Erfolg versuacht, de Madln aufm richtign Weg zum bringa. Wichtig war, as Verständnis füar Demokratie und Umweltbewusstsein zu schärfen. So war es selbstverständlich, dass wir mitdemonstriert hom, ois es um Umweltverschmutzung ganga is. Do warn de Madln vo de Franziskanerinnen vorn dabei. Früah scho hot man a G’fühl füar Menschlichkeit, Ehrlichkeit und seine Rechte vermittelt kriagt. Zwanzg Johr dannoch hot se de Bilanz beim Klassntreffn zoagt, de meistn ehemalign Klosterschülerinnen san in irgend oan sozialen Beruf ganga – de oa glei Schefin vo da Caritas in Ingolstadt!
Mei, und unsa Musikschwester, natürlich hot sie g’wusst, dass nur oan, zwoa in da Klass Noten hom lesen kenna und olle in da Probe obg’schriem hom. Die Liebe zuar Musik hots uns net verdorbm. Wia hot sa se um unsan Chor bemüht. A brave Frau. De Aufführunga in unsra Schui warn in da ganzn Stodt beliebt. Mir hom uns deshoib a net wegg’sperrt gfuiht, sondan warn Teil unsra Stodt. Jeda hot de Innsassen vo da Kupferstraß kennt, nix war do anonym.
I bedank mi heit no, dass aus dem arma Madl a selbstbewusstes Frauenzimmer g’macht hom, und dat meine Töchter jedazeit wieda in de Schui schicka.
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