Das Menschenleben auf die Bühne gebracht
Pittenhart. Dreifach-Premiere im Hilgerhof: Zum ersten Mal ist das Heimatmuseum unter der Ägide des Fördervereins Schauplatz eines Konzerts gewesen. Diese Premiere wurde von zwei weiteren begleitet: Die Formation Neulandler führte erstmals ihr Programm "Sterbendig" auf - zugleich der allererste Auftritt des Quartetts. Gelegenheit genug also, dass einiges unrund laufen könnte. Aber von wegen: Am Samstagabend passte schlicht alles.
Neulandler machen das, was ihr Name verspricht: etwas völlig Neues. Sie schaffen eine Synthese von Volks- und Kammermusik, so modern wie traditionsbewusst. Wer sie spielen hört, wartet eigentlich nur noch drauf, dass Franz-Xaver Kroetz als Brandner Kasper des 21. Jahrhunderts um die Ecke biegt. Oder dass im Hintergrund ein farbiger Stummfilm gezeigt wird, den sie vertonen. Oder dass sie mit Bally Prell im legendären "Platzl" musizieren, um gleich danach oder zugleich mit Stockhausen dessen elektronische Musik zu entstöpseln.
Neulandler gehen - und das ist in ihrem Programm "Sterbendig" das einzige Moment, das nicht überrascht - von der tradierten Volksmusik, vom Landler aus. Wie beim Landler drehen sich die Musiker - Instrumentalisten wie Sängerin - gleichsam um die eigene Achse, bilden verschlungene Figuren, umkreisen einander. Diese musikalischen Figuren drücken die Beziehungen des Menschen aus, denn das Menschenleben ist das Thema von "Sterbendig" - von der Wiege bis zur Bahre. Neulandler wollen dabei "sterbendig" nicht als Gegenteil von "lebendig" verstanden wissen. Es bedeutet vielmehr "loslassen können", erklärt Irgmaier.
Der Komponist hat ein intellektuelles Stück geschaffen. Das heißt zwar nicht, dass die Musik hintansteht, aber er hat sich um der intellektuellen Wirkung wegen bisweilen den Schönklang versagt: Irgmaier lässt die Dissonanz im Raum stehen, so wie sich Ingeborg Bachmann das "schöne Wort" versagt hat, das Wort, das Harmonie erzeugen, aber den Leser oder Hörer nur einlullen würde. "Sterbendig" zeigt den Weg durch ein Menschenleben "in bairischer Gangart" und in fünf Wandlungsphasen: "Geburt", "Gedank und Grant", "Geleit", "Gspusi" und "Geleich". Textlich gehen Neulandler in knapp 80 Minuten auf Umstände ein, die den Menschen beeinflussen - Kindheit, Entwicklung, Arbeit, Liebe, Glauben, Wissen und Tod. Dabei bringen sie auch dezidiert kritische Töne unter: Fortschritts- und Wissenschaftsglaube werden genauso in Frage gestellt wie Bigotterie. Das Publikum folgt der Darbietung bisweilen atemlos. "Sterbendig" baut Spannung auf, die teils erst zu Hause angebaut ist. Der Zuhörer ist nicht nur Konsument, er nimmt etwas mit, was es zu verarbeiten gilt.
"Sterbendig" ist ein beeindruckendes Bühnenstück geworden, das Neulandler selbst als "musikalisch-szenisches Programm, in dem Kammerkonzert und Kleinkunst zu einer Einheit verschmelzen", bezeichnen. Neulandler werden ihren Weg in die renommierten Häuser finden. Aber angefangen hat's in einem kleinen Pittenharter Heimatmuseum. Hilgerhof und Neulandler - beide machen Lust auf mehr.
Burghausen: „Das Narrenschiff“ in der Studienkirche St. Josef, Andreas Kuhnlein - Bildhauser, Studienkirche St. Josef. – „Vom Außenbild zum Innenbild“, Malerei und Grafik - Gunter Geiss, Rathaus-Galerie, 8 bis 17 Uhr. – „Verbündet - Verfeindet - Verschwägert“, Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung, Hauptburg/Stadtmuseum, 9 bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17 Uhr).
Fraueninsel: Ölbilder und Aquarelle von Georg Beyer, Torhalle, 11 bis 17 Uhr. - Chiemseemaler von Balwé bis Wopfner, Inselgalerie, 12 bis 17 Uhr.
Freilassing: „Schrift - Bilder“, Jürgen Rössel, Vermessungsamt, 8 bis 15 Uhr.
Laufen: „Kaleidoskop“, Sonderausstellung des Künstlerkreises Haar, Amtsgericht, Tittmoninger Straße 32, 8.30 bis 11 und 13.30 bis 15.30 Uhr. – Ausstellung von Edeltraud Brown „Malerei - Neue Bilder“, Kapuzinerkloster Laufen, 9 bis 22 Uhr.
München: „Chiemgau Aboriginals“ - sechs Künstler, davon fünf aus dem Chiemgau stellen ihre Werke aus, Erdgeschoss des Hochhauses Sapporobogen 6 bis 8, 14 bis 20 Uhr.
Rosenheim: „Tiefsee“, Lokschuppen, 9 bis 18 Uhr.
Ruhpolding: „Wild und Wildkräuter“, „Faszination Wurzeln und Schwemmholz“, „Die Holzknechte und ihre Musik“, Holzknechtmuseum, 10 bis 17 Uhr.
Salzburg: Röcke tragen. Die Inszenierung von Kleidung in der zeitgenössischen Fotografie und Plastik, Museum der Moderne Mönchsberg, 10 bis 18 Uhr. – Panorama 1829 von Johann Michael Sattler, Panorama-Museum, Residenzplatz 9, 9 bis 17 Uhr. – „Ungeheuerlich!“, Ausstellung für Kinder ums Fürchten und Gruseln, Museum der Moderne Rupertinum, Wiener Philharmoniker Gasse 9, 10 bis 18 Uhr.
Seeon: Eric Carle: Ein Künstler für Kinder, u. a. „Die kleine Raupe Nimmersatt“, Kloster, 10 bis 17 Uhr. – „Das Kloster Seeon und sein Skriptorium“, Kloster, 10 bis 17 Uhr.
Traunstein: „Ex Libris - Große Kunst auf kleinen Blättern“, Kunstraum Klosterkirche, 14 bis 18 Uhr. – Heimathaus, 10 bis 15 Uhr. – „Estate“ - Sommer, eine Jahreszeit mit warmen Farben, Bilder von Renate Schwarz in Acryl, Aquarell und Mischtechnik, „Nuts“, 14 bis 17 Uhr und an Veranstaltungstagen ab 18 Uhr zu besichtigen.








