Breit gefächerte musikalische Vielfalt

Von Maria Ortner
Traunstein. Ob Perlen der Klassik, Folk, Pop, Rock, ein Rondo oder Barockstücke wie „La Follia“ von Arcangelo Corelli – die schöne Schandmaul-Geigerin Anna Katharina Kränzlein hat in der Traunsteiner Kulturfabrik „Nuts“ mit ihrer Band eine breit gefächerte musikalische Vielfalt in spielerisch anmutender Perfektion präsentiert und dieser Vielfalt außerordentlich elegant und mit großer Selbstverständlichkeit eine eigene „Kleiderkollektion“ angezogen. Eine Top-Modemarke gewissermaßen, die den Kompositionen eine exquisite persönliche Note verleiht, doch auch der originalen Grundmelodie Zeit und Raum lässt.
Anna Katharina Kränzlein präsentierte sich in spielerisch anmutender Perfektion. Foto: om
Ein bisschen ruhiger lässt sie es angehen als im letzten Jahr, wo sie zum ersten Mal im „Nuts“ gastierte, strahlt dennoch über das ganze Gesicht und erzählt temperamentvoll ihre Geschichten zu manchen Stücken. Von den großen und meist doch recht turbulenten Schandmaul-Konzerten hat sich Kränzlein bereits zurückgezogen und genießt sichtlich ihre letzten Solo-Konzerte in kleineren Sälen, bevor sie in eine kleine Babypause geht.

Sie ist nicht nur eine virtuose Geigerin – ausgezeichnetes Spiel von Drehleier und Klavier sowie eine geschulte, angenehme Gesangsstimme erweitern die Facetten des Katalogs um ein Vielfaches. Modern, elegant und gleichzeitig sportlich-rockig, aber keine avantgardistischen Experimente. Seit kurzem den Platz am Schlagwerk inne hat Phillip Renz, der sich in seinem „neuen Job“ bereits recht gut zurechtfindet. Mit Michael Ende, dem Bassisten der Letzten Instanz hat Kränzlein einen hervorragenden Spielpartner an ihrer Seite, mit dem sie sich blind versteht und der wohl wie kein anderer versteht, den passenden Groove an der richtigen Stelle zu „platzieren“.

Dadurch wird der „Ungarische Tanz“ von Johannes Brahms ebenso zum ParforceRitt durch die Puszta wie der lebenslustige Czardas von Vittorio Monti. „Dügün“ ist ein heißer Trip durch Kleinasien, dem eine indische Etappe namens „Nimbu Pani“ voranging und der irgendwann nach Südeuropa führt. In eine feurige „Tarantella“, von der die Legende sagt, dass der von einer Tarantel Gebissene unter der Anleitung der Musiker bis zur völligen Erschöpfung tanzen musste, um das Gift aus seinem Körper zu treiben.

Ein whiskeygetränkter Romantiktrip über die schottischen Inseln führt am Ende mit dem „Drandachtsjodler“ aber wieder zurück nach Bayern und endet mit einer Hommage, die Kränzlein folgendermaßen ankündigt: „Wenn ich den See seh’, brauch’ ich kein Meer mehr.“

Nashville-Style, Westernsattel und Lasso werden kurzerhand bei der furiosen Zugabe „Flying Cow“ ausgepackt. Mit dem Leonard-Cohen-Klassiker „Hallelujah“ entlässt Kränzlein eine glückliche und zufriedene, wohlig gewärmte Fanschar in die frostige Winternacht.
Artikel vom 10.02.12
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