Röcke, Gruseliges, Cage und Che

Von Veronika Mergenthal
Salzburg. Eine erfreuliche Bilanz zogen Wirtschaftsdirektor Gottfried Paulus und Museumleiter Toni Stooss zum Auftakt des Museumsjahres 2012: Das Museum der Moderne Salzburg verbuchte 2011 einen Besucherzuwachs um 2,19 Prozent. Am Mönchsberg waren 106 442 Besucher zu Gast, im Rupertinum 25 069. Thematisch konzentriert sich das Museum nach einer Reihe von finanziell aufwendigen Präsentationen zur Klassischen Moderne – von Kirchner über Giacometti bis Nolde – auf zeitgenössische Positionen und Kunst aus seiner eigenen Sammlung.
Der Wasserturm neben dem Salzburger Mönchsbergmuseum soll ab Herbst 2012 zur multimedialen Kunstvermittlungsstätte umgebaut werden. Foto: MdM Salzburg/Marc Haader
Die Dauerleihgabe der privaten „Sammlung MAP“, die dem Museum seit Herbst 2010 zur Verfügung steht, wurde 2011 durch Neuerwerbungen erweitert. Mit 29 Gemälden des international gefeierten Malers Eberhard Havekost, ein in Berlin lebender Dresdner, ergänzte das Museum seinen Bestand, der sich auf Künstler wie Jörg Immendorff, Markus Lüpertz oder Anselm Kiefer konzentriert. Immendorffs 2003 geschaffene, fünf Meter hohe, knapp fünf Meter breite und 5,5 Tonnen schwere Bronzeplastik „Affentor“, bisher vor dem Bremener Hauptbahnhof, kommt im Februar als Leihgabe nach Salzburg. In Affen sieht Immendorf (1945 bis 2007) sein Ringen zwischen Gelingen und Scheitern, Überzeugung und Selbstzweifel symbolisiert. Auch einige Schenkungen erhielt das Museum.

Am Mönchsberg beginnt das Ausstellungsjahr am 18. Februar mit dem Thema „Röcke tragen. Die Inszenierung von Kleidung in der zeitgenössischen Fotografie und Plastik“ (Dauer bis 10. Juni). Um Selbstporträts geht es vom 3. März bis 24. Juni in einer Hommage auf den DeutschSchweizer Dieter Roth (1930 bis 1998) und die parallel laufende Sammlungspräsentation „Ich und Ich“. Aus Anlass des 100. Geburtstags des Musikers John Cage lädt das Museum der Moderne die Besucher als erstes Museum überhaupt dazu ein, eine ganz andere Seite dieses Künstlers kennen zu lernen, die bildende Kunst (14. Juli bis 7. Oktober). Auch seine Wirkung über die Musik hinaus in der Bildenden Kunst, in Happenings, Tanz und Medienkunst bis in die Gegenwart soll gezeigt werden.

Ein weiterer Höhepunkt im Mönchsberg-Museum ist eine Ausstellung über Eberhard Havekost, geboren 1967, einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren deutschen Malerei (17. November bis März 2013). Videos und Videoinstallationen aus der Sammlung des Museums und das Thema „Anwesenheit/Abwesenheit“ runden das JahresSpektrum ab.

Im Rupertinum gibt es aufgrund des Erfolges vergangener Kinderausstellungen (Pippi, Alice, Zirkus) vom 11. Februar bis 15. Juli wieder eine Ausstellung für Kinder. Unter dem Motto „Ungeheuerlich!“ werden „gruselige“ Werke von Max Ernst, Alfred Kubin, Erwin Wurm und vielen anderen gezeigt, und es gibt interaktive Stationen zum Mitmachen.

Eine Legende, der kubanische Freiheitskämpfer Che Guevara, ist Thema der Fotoausstellung „Bilder der Revolution. Che Guevara und Kuba“ im Rupertinum aus der Sammlung des Wiener Fotografen und Filmers Christian Skrein (24. November bis März 2013). Darüber hinaus sind dort Sonderausstellungen aus der Foto-Sammlung des Museums geplant, wie „Tag und Nachtbilder“ oder „Das publizierte Bild“. 2013 sieht das Museum der Moderne unter dem Motto „Flowers & Mushrooms“ eine Ausstellung über die Darstellung von Blumen in der Kunst, vor allem in der Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts, vor.

Dringend braucht das Museum der Moderne Salzburg (MdM) ein klimatisiertes Depot für seine Kunstsammlung von weit mehr als 50 000 Werken, auch um seine internationale Reputation zu erhalten. Hochwertige Dauerleihgaben wie die Sammlungen „MAP“ und „Fotografis“ wurden dem MdM nur wegen der Aussicht auf einenDepotneubau überlassen. Die Planung für ein unterirdisches Depot am Mönchsberg sind abgeschlossen, der Baubeginn wurde erneut – zunächst auf 2013 – verschoben. Heuer trifft das Land Salzburg eine neuerliche Entscheidung hinsichtlich der Finanzierung.

Noch heuer ab Herbst soll der Wasserturm neben dem modernen Museumsbau am Mönchsberg für rund 1,6 Millionen Euro saniert und als multimediale Kunstvermittlungsstätte für Kinder und Jugendliche hergerichtet werden. Ein Großteil davon wurden dem MdM bereits als Schenkung zugesichert: Gustav Klimts Gemälde „Litzlberg am Attersee“ wurde aus dem Bestand des Museums an den rechtmäßigen Erben Georges Jorisch, den Enkel der letzten Besitzerin Amalie Redlich, zurückgegeben und versteigert. Aus dem Versteigerungserlös soll das MdM 1,3 Millionen Euro bekommen. Der Turm soll „Amalie Redlich Turm“ genannt werden.

Weitere Infos unter www.museumdermoderne.at
Artikel vom 28.01.12
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