Kleine Kufenflitzer und Eisprinzessinnen

Von Simone Kainhuber
Trostberg. Ein voller Erfolg ist auch dieses Jahr wieder der Eiskindergarten des TSV Trostberg, der derzeit donnerstags um 16.15 Uhr für Kinder ab drei Jahren im Trostberger Eisstadion stattfindet. Wie schon im letzten Jahr zwischen November und Weihnachten, ist auch dieser Kurs von Bernd Karmann, der ehemaligen Profi-Eiskunstläuferin Tamara Wenzel und ihren Helfern mit 70 Kindern bestens besucht.
In Reih und Glied werden die ersten Schritte auf dem Eis trainiert. Fotos: ska
Ein paar unsichere Blicke, die ein oder andere Träne kullert noch in den ersten Minuten bei den kleineren unter den Teilnehmern des Eiskindergartens. Schließlich geht es ohne Mami und Papi aufs Eis. Die stehen nämlich hinter der Bande und überlassen ihre Schützlinge für eine Stunde Bernd Karmann, Tamara Wenzel und zahlreichen anderen Betreuern. Doch lang dauert es nicht, dann sind die Unsicherheit und der Trennungsschmerz überwunden, und die Kleinen werden zu wahren Kufenflitzern.

In kleine Gruppen aufgeteilt, erlernen schon die jüngsten Teilnehmer, wie man auf den schmalen Kufen das Gleichgewicht hält. Auf spielerische Art und Weise nehmen die Betreuer – die meisten davon Angehörige der Eishockeyabteilung des TSV 1863 Trostberg – den Kindern die Angst vor dem ungewöhnlichen Schuhwerk. Erste Lektion ist dabei das Fallen. Für die Kinder kein Problem, denn alle sind bestens dafür ausgerüstet: Helm, dicke Handschuhe und ein gut gepolsterter Schneeanzug sind unabdingbar im Eiskindergarten.

In der Gruppe der etwas größeren Teilnehmer geht es schon etwas schneller her. Slalomlauf und „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ steht bei ihnen auf dem Programm. „Wir bremsen und krachen nicht in die Bande“, versucht Betreuer Peter Gastager noch zu erklären, bevor er von einer Horde kleiner Kufenflitzer fast überrannt wird.

Am anderen Ende des Eisstadions geht es dann wieder ruhiger zu, denn dort übt Tamara Wenzel mit den Teilnehmern ihrer Eislaufschule grazilere Bewegungen wie kleinere Sprünge und Pirouetten. Mit viel Einfühlungsvermögen und Geduld zeigt die ehemalige Eiskunstläuferin ihren bereits fortgeschrittenen Schützlingen, was sie auf dem Eis außer einfach zu laufen noch machen können. „Die werden heute alle gut schlafen können“, meint Tamara Wenzel zufrieden gegen Ende der Stunde. Das beste Rezept für gut schlafende Kinder sei eben immer noch viel Bewegung an der frischen Luft.

Auf die Unterscheidung der Gruppen, das heißt zwischen dem Eiskindergarten und der Eislaufschule, legt Bernd Karmann besonderen Wert. „Es geht immer weiter für die Kinder“, erklärt er. „Die Kinder lernen im Eiskindergarten die grundlegenden Sachen und können dann bei Tamara ihre Fähigkeiten ausbauen.“ Früher seien Eiskindergarten und Eislaufschule getrennt veranstaltet worden, aber Karmann und Wenzel einigten sich darauf, gemeinsam eine „Eiszeit“ im Stadion zu nehmen, weil genug Platz für alle da sei.

Karmann übernahm den Eiskindergarten 2009 von seinen Vorgängern, den Familien Fürst und Eder. Der ehemalige Spieler und Trainer der Trostberger Chiefs und sein gesamter Betreuerstab organisieren den Eiskindergarten ehrenamtlich. Lediglich für die Platzgebühren müssen sie von den Eltern 35 Euro für acht Einheiten verlangen.

Ihm mache es einfach Freude, mit den Kleinen zu arbeiten, so Karmann. Und auch die ehemalige Profi-Eiskunstläuferin Tamara Wenzel aus Schnaitsee macht ihre Eislaufschule unentgeltlich. Dabei könnte sie mit ihrem Können und ihrer Erfahrung wohl einiges verlangen. Schließlich lief die gebürtige Amerikanerin von 1979 bis 1984 für verschiedene bekannte Eisshows. Mit „Holiday on Ice“ war sie auf der ganzen Welt unterwegs, so zum Beispiel in Skandinavien, Mexiko und in ganz Europa. An ihr Leben und ihre Erfolge als Eiskunstläuferin denkt die heutige Schnaitseerin gerne – teils wehmütig – zurück. Deshalb war es für sie eine willkommene Abwechslung, als sie über Bekannte zur Eislaufschule nach Trostberg kam. „Das Lachen der Kinder, wenn ihnen etwas gelingt, macht mir am meisten Freude“, sagt die ambitionierte Betreuerin. Allerdings wünsche sie sich, in Zukunft noch mehr Kinder in ihrer Gruppe willkommen heißen zu dürfen, um ihnen ihr Können weiterzugeben.

Laut Bernd Karmann sind auch weiterhin neue Teilnehmer willkommen, auch wenn sie bei den ersten Terminen noch nicht da waren. Wer also erst jetzt Interesse daran hat, seine Kinder von echten Profis fit fürs Eis machen zu lassen, kann gleich nächsten Donnerstag dazu stoßen. Allerdings, so Karmann, sei es an den Eltern, auch nach dem Kurs fleißig mit ihren Kindern aufs Eis zu gehen.