Wie ein Wimpernschlag
Traunstein. Sommer, Sonne, Sonntag und „die KORECK“ spielt endlich daheim in Traunstein, nachdem sie seit rund drei Jahren durch ganz Deutschland und die weite Welt getingelt ist. Auf dem Stadtplatz spielt sie, weil’s „eigentlich und leider gar keinen passenden Club gibt“ in ihrer Heimatstadt, wie sie leise bedauert. Das macht den Fans aber reinwegs gar nichts aus, denn das Flair des Stadtplatzes im Abendsonnenschein erinnert an Urlaub, und entsprechend relaxed sind auch die Besucher.
Traunstein. Sommer, Sonne, Sonntag und „die KORECK“ spielt endlich daheim in Traunstein, nachdem sie seit rund drei Jahren durch ganz Deutschland und die weite Welt getingelt ist. Auf dem Stadtplatz spielt sie, weil’s „eigentlich und leider gar keinen passenden Club gibt“ in ihrer Heimatstadt, wie sie leise bedauert. Das macht den Fans aber reinwegs gar nichts aus, denn das Flair des Stadtplatzes im Abendsonnenschein erinnert an Urlaub, und entsprechend relaxed sind auch die Besucher.
20 Lieder bringt die junge Musikerin im bairischen Dialekt auf die Bühne und punktet dazu auch gleich noch zigmal mit ihrem bezaubernden Lächeln und den so wunderbar sympathisch erzählten Geschichten zwischendurch. Mit sichtlichem Stolz auf die „sehr sympathische Botschafterin für Bayern und Traunstein“, den Stern am Musikhimmel, der die Liebe zur Heimat noch immer hochhält, überreicht ihr Traunsteins 2. Bürgermeister Hans Zillner einen silbernen Freundschaftsteller mit dem Motiv des neuen Stadtplatzes von Traunstein. Und passend beginnt sie ihr Konzert auch mit „Dahoam“, ruft in die Zuschauermenge: „I konn’s eich gar ned sagn, wia i mi gfrei, dass i endlich dahoam spui.“ Das Publikum ist durch alle Generationen bunt gemischt. In der allerersten Reihe steht eine Schar Mädchen in aufgeregter Erwartung, die Kleineren haben von weiter hinten den allerbesten Überblick von Papas Schulter aus. Für einige Stadtplatzanwohner wird ihr Fenster zum Logenplatz.
Natürlich bekommt die Menge die Lieder vom ersten Album „Fliagn“ – fröhlich und unbekümmert. Die Fans singen fast jedes Wort auswendig mit wenn sie die „Schuah ausziagn“ und dann mit ihrer CLAUDIA „Fliagn“ gehen. Dieses Lied hat sie „damals“ am Tüttensee geschrieben, wo sie auch am Tag vor dem Konzert wieder einmal war. Leider hatten sie die Stechmücken als Schmankerl auf ihrer Speisekarte platziert und derweil wollte doch die CLAUDIA so gerne ein Kleidl für ihre Fans anziehen.
Dazu gibt es fast alle Lieder vom aktuellen Album „Barfuaß um die Welt“: „Lisa“, eine zauberhafte Hommage an ihre besteFreundin; das „Strandliad“, geschrieben auf Hawaii über das Durchschnaufen nach anstrengenden Zeiten. CLAUDIA erzählt von ihrer Überraschung, als der Filmemacher Josef Vilsmeier bei ihr telefonisch anfragte, ob sie nicht Lust hätte, ein Lied für den „Brandner Kaspar“ zu schreiben. Die Geschichte kannte sie schon lange, hatte im Alter von acht Jahren „eine unschlagbare Version“ davon im Heimattheater in Palling gesehen. „Des Liad is kemma – ganz weit hinten im Abspann. Aber des macht nix. Hauptsach i hobs gschriebn!“ „’S ewige Leben“ – wohl eins der schönsten Lieder, die CLAUDIA KORECK bisher geschrieben hat – Gänsehaut pur. „I hear a Lacha, i kenn doch de Stimm – er werd oiwei lauter – du wuist dass i kimm – wenn du mi obhoist, wo bringst du mi hi? Sog is des schee dort, und wart wer auf mi?“
Herzerfrischend auch ihre Erlebnisse in einem Club in Nashville, in dem sie als „Pausenfüller“ für einen schätzungsweise 90-jährigen Musikus zwei „Liadl“ im bairischen Dialekt spielte. Dessen Frau hatte zwar keinen Schimmer, wo denn „Bavaria“ liege, doch habe sie gespürt, dass „es da, wo sie herkommt, sehr schön sein muss“.
Soviel also zum Thema Dialekt. Musik muss man nicht immer verstehen, um ihre Schönheit spüren zu können. A bisserl a Problem mit solcherlei (Verständnis-) Gefühlen dürften da wohl die Zuschauer bei Stefan Raab gehabt haben, auf dessen Couch die CLAUDIA trotz intensiver Versuche halt leider doch kein ganz einwandfreies Hochdeutsch z’sammbracht hat und auch net so ganz richtig verstanden wurde.
Mit einer gekonnten Mischung aus Rock, Pop, Soul und Blues punktet die auch textlich offensichtlich gereifte Musikerin, die alle Songs und Texte komplett selbst schreibt auf der ganzen Linie. Sie singt, seufzt und schreit mal ausgelassen herum, dann wieder nimmt sie sich dezent zurück, mal spielt sie die Rockröhre, dann ist sie wieder ganz die nachdenkliche Liedermacherin. Unterstützt wird sie dabei vortrefflich von ihren Mitmusikern Manni Müller am Schlagzeug, Andreas Dombert an Piano und Gitarren sowie Andreas Otto Schellinger an Kontra- und E-Bass sowie an der Ukulele. Andreas Otto und Manni sind auch die gefragten Mannen wenn es um die gesangliche Background-Verstärkung geht.
CLAUDIA KORECK vergisst ihre Herkunft und auch ihre musikalische „Bühnen-Grundausbildung“ nie, und so gibt es als Überraschungsauftritt einige Einlagen mit Jay Houser, der Coverband, mit der sie noch bis vor drei Jahren fest unterwegs gewesen ist. Mit den Hitparadenklassikern „Hot Stuff“ und „Proud Mary“ geht der RockZug richtig ab, und eine ausgelassene CLAUDIA springt auf der Bühne herum. Mit dem wunderbaren Wunsch „Weit, weit weg“ von Hubert von Goisern, das einen buchstäblich in eine andere Welt katapultiert, verabschiedet sie sich schon wieder von ihrer Vergangenheit, greift sich ihre Gitarre, singt das verträumte Liebeslied „Nur wegen dir“ und wandert gleich darauf mit ihren Fans „Barfuaß um die Welt“.
In der zunehmenden Dunkelheit wirkt die Stadtpfarrkirche, die sich mächtig hinter der Bühne erhebt, noch überragender, der schmale Mond spendet wohlgesonnen sein kühles Licht, und CLAUDIA KORECK zieht in ihrer Zugabenrunde noch einmal alle Register. Am Ende verabschiedet sie sich ganz bewusst alleine, nur mit ihrer Akustikgitarre und dem Liebeslied „Scheene Augn“ von ihrem Publikum und gibt im Anschluss an das Konzert, dessen Dauer von gut zwei Stunden gefühlsmäßig einem Wimpernschlag glich, gut aufgelegt, freundlich und geduldig eine Ewigkeit lang Autogramme auf CDs und Plakate.
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