„Energien des Volkes“
Dass „es geht“, zeigten auch eine Ausstellung heimischer Anbieter mit Umwelttechnik und gesunden Lebensmitteln sowie die Vorstellung anderer erfolgreicher Projekte in der Region. Inzells Bürgermeister Martin Hobmaier berichtete, dass es in der Gemeinde schon lange zwei Bürgersolarkraftwerke gebe, auf den Dächern der Schule (seit etwa 2000) und des Badeparks (seit 2004).
Über regionale Wege aus der Wirtschafts- und Finanzkrise sprach Franz Galler, Initiator der Regionalwährung des Berchtesgadener Landes „Sterntaler“ und Gründer der Genossenschaft „RegioSTAR eG“, die unter anderem einen Regio- und Bioladen in Mitterfelden betreibt und auch beim Aufbau ähnlicher Läden hilft. Neu entstanden ist der „Sonnenalmgarten“ auf der Neubichler Alm am Högl als Schritt zur Selbstversorgung. Geplant ist ein Dienstleistungs-Tauschring. Ziele für gemeinschaftliche Lösungen von Krisen müssten sein, klein und überschaubar sowie einfach und natürlich zu bleiben, Vielfalt zu erhalten, auf kurzfristige Rendite zu verzichten und Eigentum auch mal gemeinsam zu nutzen. Vorbilder sind für ihn Friedrich Wilhelm Raiffeisen, um 1850 einer der größten Sozialreformer, und der Oberndorfer Philosoph Leopold Kohr (1909 – 1994), der die Gefahr vor allem in der Größe sah und ein „Zurück zum menschlichen Maß“ forderte.
Das Ökomodell Achental mit Initiativen wie direkter Kooperation von Land- und Gastwirten oder dem Biomassehof in Grassau, der auch andere neue Projekte in der Region unterstützt, stellte Wolfgang Wimmer vor. Den theoretischen Unterbau lieferte Referent Hermann SCHEER, Autor des Buches „Energieautonomie“ und Mitverfasser der Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Den erneuerbaren Energien gehöre die Zukunft, da sie durch eine breite Eigentümer- und Regionalstreuung die regionalen Wirtschaften revitalisierten und zu mehr Autonomie und Gemeinwohlorientierung führten. Niemand könne eine Lizenz auf Sonne oder Wind kaufen. „Sie sind Energien des Volkes.“
Die Konzerne könnten die Dezentralisierung nur weiter aufhalten, wenn sie von den Regierungen weiter unterstützt würden. Die Teilnehmer kritisierten anschließend heftig diegeplante EEG-Änderung, die unter anderem eine „flexible Marktanpassung“ der Förderung für alle Solaranlagen sowie eine einmalige und zusätzliche Absenkung der Vergütungssätze um 15 Prozent ab 1. April vorsieht.
Peter Rubeck berichtete, dass in der von ihm begründeten Initiative „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein“ in neun Jahren über 420 Millionen Euro Umsatz gemacht wurde und dass im Kreis Traunstein der Strom schon zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien stamme. Die EEG-Änderung „wird unsere Region als erstes treffen“, betonte er. „Es eilt“, sagte ein anderer und warnte vor Einbrüchen für das regionale Handwerk. Man rang um schnelle Reaktionsmöglichkeiten, wie eine Internet-Petition.
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